Aktuelles


Ab Mitte November werden auf der Seite "Videos zum Thema Lernen" neue Beiträge veröffentlicht, u. a. von dem renommierten Hirnforscher Professor Gerald Hüther.

Seit Ende September funktioniert die Druckversion des ADS-Tests wieder einwandfrei auf allen Browsern.
Sie können den ADS-Test für Ihr Kind in wenigen Minuten online ausfüllen und sich die Ergebnisse kostenlos ausdrucken lassen.

Seit August gibt es eine neue Unterseite mit dem Thema Hausaufgaben Motivation und Konzentration.
Ebenfalls im August wurde die Seite Mutter und Sohn überarbeitet
Seit September wird diese Webseite vollständig überarbeitet.

Hier erscheinen in unregelmäßigen Abständen kurze Beiträge zu häufig gestellten Elternfragen.

Aktuelles Thema: Im neuen Schuljahr ... mehr Lernfreude, mehr Lernerfolge, besseres Lernklima

Mitte September 2017 ist Bayern als letztes Bundesland vom Ferien- in den Schulmodus gewechselt und in ganz Deutschland sehen Schüler von der Grundschule bis zur Oberstufe jetzt ein Schuljahr vor sich liegen, dessen Verlauf noch weitgehend offen ist. "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne", hat Hermann Hesse einmal gesagt, und diesen Zauber bitte ich Eltern und Schüler zu nutzen, um sich von unvorteilhaften Konditionierungen zu befreien und ein Schuljahr der Verbesserungen im Kleinen wie im Großen zu beginnen.

Heute möchte ich auf eine Verbesserung eingehen, die leicht zu begreifen, aber schwer umzusetzen ist. Der Lohn für die Mühe besteht darin, dass kleinste Verbesserungen in diesem Punkt große Auswirkungen nicht nur auf den schulischen Erfolg haben, sondern auch auf das Wohlbefinden von Kindern und Eltern und somit auf das Familienklima. Die große Schwierigkeit der Aufgabe besteht darin, dass sie teilweise nicht durch Handeln, sondern nur durch den Verzicht auf Handeln gelöst werden kann.

Wenn ein Kind in der Schule nicht die Leistungen bringt, die von ihm erwartet werden und die es aufgrund seiner Begabung auch erbringen könnte, werden Eltern oft nervös und möchten den Zustand so schnell wie möglich beenden. Sie betreuen ihr Kind beim Lernen und/oder ermöglichen ihm Nachhilfeunterricht. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, dann werden sie intensiviert, bis am Ende dem gigantischen Aufwand ein Ertrag gegenübersteht, an dem man verzweifeln könnte.

Es gibt einen Königsweg, um einem solchen Dilemma zu entkommen und ich zeige Ihnen hier ein paar Pflastersteine, aus denen sich dieser Weg zusammensetzt:

Wenn Sie Ihr Kind beim Lernen begleiten, dann …

... geben Sie der Qualität des Lernens stets Vorrang vor der Menge an Lehrstoff, das heißt, lieber drei Matheaufgaben entspannt und konzentriert rechnen, als zehn gestresst durchpeitschen. Akzeptieren Sie es, wenn Ihr Kind aus diesem Grund nicht immer alle Hausaufgaben erledigen kann. Sprechen Sie mit den Lehrern und erklären Ihnen, warum die Hausaufgaben Ihres Kindes nicht immer vollständig sind.

… seien Sie flexibel, was die Lerndauer betrifft. Machen sie diese davon abhängig, wie wach, motiviert und konzentriert Ihr Kind zu Beginn einer Lernsession ist. Vermeiden Sie es, ihm etwas eintrichtern zu wollen, wenn nichts mehr in sein Gehirn reingeht, und vor allem, kritisieren Sie es in solchen Momenten nicht, sondern sagen Sie ihm in freundlichem Ton, dass die Arbeit zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt wird.

… vermeiden Sie generell Tadel und Vorwürfe, denn diese sorgen dafür, dass sich die Motivation und Konzentration Ihres Kindes augenblicklich verschlechtert. Wenn Ihr Kind von zehn mathematischen Aufgaben neun verkehrt und eine richtig gerechnet hat, dann lassen Sie sich von ihm erklären, wie es diese eine geschafft hat und loben Sie es dafür, statt es wegen der neun falschen Aufgaben zu kritisieren. Wenn Sie das öfter machen, werden sich die Motivation und Konzentration Ihres Kindes allmählich verbessern.

… beobachten Sie, unter welchen Rahmenbedingungen Ihr Kind mehr oder weniger effiziente Lernleistungen erbringen kann. Dazu gehört auch Ihre eigene jeweilige Stimmung. Vermeiden Sie Lerneinheiten, wenn Sie selber gestresst sind, da diese dann nicht nur nichts bringen, sondern sogar schaden. Ich empfehle Ihnen, sich dazu Notizen zu machen, um auf diese Weise die Qualität des gemeinsamen Lernens kontinuierlich verbessern zu können.

… sorgen Sie beim Lernen mit Ihrem Kind dafür, dass die Atmosphäre durchgängig angstfrei ist und dass es hinreichend Anlass zu spontanem, herzhaften Lachen gibt. Denken Sie nicht, dass solche Momente der kurzen, gezielten Abschweifung Zeitverschwendung sind. Im Gegenteil: Sie gewinnen Zeit, dadurch dass das Gehirn Ihres Kindes um ein Vielfaches aufnahmebereiter ist und – nach einhelliger Meinung der modernen Hirnforschung – das Gelernte qualitativ besser abgespeichert und somit auch besser behalten wird.

Ich würde mich freuen, wenn Sie mit Hilfe dieser kurzen Hinweise das gemeinsame Lernen mit Ihrem Kind im neuen Schuljahr verbessern könnten. Sollte es Ihnen nicht zufriedenstellen gelingen, können Sie mich diesbezüglich gern kontaktieren.

Ihnen und Ihrem Kind wünsche ich ein Schuljahr, auf das am Ende alle mit Freude zurückblicken können.

Andreas Tenzer
Köln, 11.9.2017


Pädagogische Zitate der Woche

Hier erscheinen jede Woche drei neue Zitate zu den Hauptthemen Lernen, Konzentration, Motivation, ADS, Schule und Lernpädagogik.

50. Kalenderwoche

Zitat Nr. 1: Nur der höchste Mensch vermag es, in der Welt zu wandeln, ohne sich ablenken zu lassen, den Menschen sich anzupassen, ohne sein Selbst zu verlieren.
Dschuang Dsi, Das wahre Buch vom südlichen Blütenland, Übersetzung von Richard Wilhelm, 1. Aufl. Köln: Anaconda, 2007, S. 291, Buch XXVI,8

Zitat Nr. 2: Wir wissen gar nicht, an welchen Aufgaben, Problemen oder Lösungen unser Unbewusstes zurzeit arbeitet, bis es uns ein Ergebnis im Bewusstsein präsentiert.
Friedhelm Schwarz, Muster im Kopf, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2006, S. 68

Zitat Nr. 3: Kennt ihr das sicherste Mittel, euer Kind unglücklich zu machen? Gewöhnt es daran, alles zu bekommen! Denn seine Wünsche wachsen unaufhaltsam mit der Leichtigkeit ihrer Erfüllung.
Jean-Jacques Rousseau, Emile oder Über die Erziehung, 13. Aufl. Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh, 1988 S. 65