Aktuelles

  1. Aktuelle Informationen
  2. Aktuelles Thema
  3. Aktuelle Zitate

 
1. Aktuelle Informationen

Ende Juni 2019
Vom 22. Juli bis 20. August 2019 ist meine Praxis geschlossen. In dringenden Fällen können Sie mir eine Mail schreiben, und ich werde Ihnen antworten, sobald ich sie gelesen habe. In dem genannten Zeiraum werde ich meine Mails mindestens ein Mal pro Woche checken.

Ende Mai 2019 - Aktualisierung Terminvergabe
Da sich die letzten Abiturienten in diesen Tagen von mir verabschieden, löst sich jetzt der Terminengpass auf, über den ich Sie hier in den letzten Wochen auf dem Laufenden gehalten habe. Ab sofort können Termine wieder ohne längere Wartezeiten gebucht werden.

Als neuer Beitrag unter "Aktuelles Thema" war ein ausführlicher Text über den Zusammenhang zwischen Hochsensibilität und Lernen mit dem Schwerpunkt "Schulisches Lernen" geplant. Mittlerweile hat der Text einen Umfang erreicht, der eine Veröffentlichung an anderer Stelle erforderlich macht, wahrscheinlich auf einer neuen Unterseite. Ich werde Sie hier informieren, sobald der Beitrag online ist.


Hier erscheinen in unregelmäßigen Abständen kurze Beiträge zu häufig gestellten Elternfragen.

 
2. Aktuelles Thema

 

Selbstbeobachtung und Spürbewusstsein für mehr Motivation und eine bessere Konzentration

Wie mein Kind seine eigene Schulwirklichkeit konstruiert und wie es sich eine andere aufbauen könnte ...

I. Was Motivation fördert und verhindert

Das, was ich jetzt denke, bestimmt, wie der nächste Satz lauten wird, den Sie gleich lesen können, sofern Sie das wollen. Und ob Sie weiterlesen werden, hängt davon ab, was dieser erste Satz mit Ihnen macht. Vielleicht finden Sie ihn trivial, uninteressant, schwer nachvollziehbar oder einfach falsch. Sollte dies zutreffen, könnten Sie sich den Rest des Textes eigentlich schenken. Vermutlich werden Sie dies aber nicht tun, weil Sie denken, es könnten wertvolle Informationen folgen, die Sie nur ungern verpassen möchten. Vielleicht hat die Überschrift des Beitrags Sie neugierig gemacht und die Frage aufgeworfen: Wie konstruiert mein Kind über seine Gedanken die alltägliche schulische Wirklichkeit und was kann ich als Mutter oder Vater dazu beitragen, dass Eltern, Kinder und Lehrer mit dieser Wirklichkeit zufrieden sein können?

Auf bewusster wie unbewusster Ebene wandern jetzt Gedanken und Bilder durch Ihr Gehirn. Sie lesen diesen Text wahrscheinlich, weil die schulische Wirklichkeit Ihres Kindes Ihnen Sorgen bereitet oder zumindest verbesserungswürdig erscheint. Aus diesem Grund werden Sie die hier vorgestellten Gedanken kontinuierlich abgleichen, mit der spezifischen Situation, in der sich Ihr Kind jetzt befindet. Je mehr Übereinstimmungen Sie entdecken, desto größer wird die Motivation sein, weiterzulesen. Sie werden genau beobachten, ob die hier angesprochenen Punkte in etwa den Erfahrungen entsprechen, die Sie täglich rund um das Thema „Mein Kind und die Schule“ machen.

Eine besonders wichtige Erfahrung könnte die sein, die Sie jetzt in diesem Augenblick machen. Sie lesen die hier veröffentlichten Informationen, weil Sie gezielt danach gesucht haben. Sobald Ihr Gehirn den Eindruck hat, Sie könnten diesbezüglich fündig geworden sein, wird es mit der Produktion von Glücksbotenstoffen beginnen, die durch jeden Aha-Effekt zusätzlich angeheizt wird. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Belohnungssystem des Gehirns, das in dem Augenblick anspringt, indem man spürt, dass die investierte Zeit und Energie eine beachtliche Lust- und Leistungsrendite abwirft.

Nicht nur Ihr und mein Gehirn funktionieren so, sondern auch das Ihres Kindes. Inzwischen habe ich eine vierstellige Zahl von Kindern, Jugendlichen und Studenten betreut und dabei festgestellt, dass es einen fundamentalen Einzelfaktor gibt, der für die meisten schulischen Probleme verantwortlich ist. Im heutigen Schulsystem erhalten die Schüler Tausende Antworten auf Fragen, die Sie nie gestellt haben und die sie nicht interessieren. Während meiner Gymnasiallehrerausbildung hat man mir beigebracht, wie man Schülerfragen, die für das sorgsam erstellte Unterrichtskonzept nicht zielführend sind, durch sinnentstellende Umformulierungen und mehr oder weniger willkürliche Assoziationen passend macht.

Das Prinzip „The-show-must-go-on“ prägt auch heute noch den Alltag in den meisten Schulen. Nicht die Interessen der Schüler bestimmen den Unterricht, sondern die im weitesten Sinne ökonomische Funktion, die den Schülern zugedacht wird. Selber fragen und selbstständig denken ist nicht opportun. Schließlich gilt es, einen allgemeinen Auftrag zielstrebig abzuarbeiten. An vielen Schulen bleibt auch für gut ausgebildete und engagierte Lehrer kaum Raum für ein Lernen, das die Schüler als ein Abenteuer der Selbst- und Weltentdeckung empfinden. Stattdessen empfinden sie den Schulunterricht eher als ein Wiederkäuen der Nahrung, mit denen sie zwangsgefüttert werden. Stellen Sie sich vor, jemand würde Sie dazu zwingen, den vorliegenden Text zu lesen, ohne dass die Themen sich im Spektrum Ihrer eigenen Interessen befänden. Auch bei Ihnen würde das die Lernfreude und den Lernerfolg erheblich mindern.

"Non vitae, sed scholae discimus." Wir lernen nicht für das Leben, sondern für die Schule. Dieser Spruch des römischen Philosophen Seneca ist rund 2000 Jahre alt und wird meist mit entgegengesetzter Bedeutung zitiert: „Wir lernen nicht für die Schule, sondern fürs Leben.“ Wenn die Pädagogik es in 2000 Jahren nicht fertig gebracht hat, dem ursprünglichen Sinn des Satzes Rechnung zu tragen, dann sind Zweifel angebracht, ob sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern wird. Dann hilft es auch nicht, sich darüber zu beklagen, dass im gegenwärtigen Schulsystem diejenigen belohnt werden, die am besten in der Lage sind, ihre Individualität und kreative Intelligenz an der Schulgarderobe abzugeben und diejenigen bestraft werden, die sich nicht für schulische Zwecke instrumentalisieren lassen wollen oder können, die dem Wiederkäuen Vorrang vor dem Verstehen einräumen. In diesem System ist es nahezu unmöglich, gleichzeitig eine Kindheit zu haben und ein gut benoteter Schüler zu sein.

II. Denken, Impulsdarwinismus und Motivation

Vielen Eltern, die ich kennengelernt habe, ist diese Problematik bewusst. Sie möchten Ihren Kindern die Kindheit nicht mit zehn Jahren oder noch früher austreiben, machen sich jedoch nicht ganz unberechtigte Sorgen, dass sie durch schulische Anpassungsdefizite ins soziale Abseits geraten könnten. Auf der Unterseite ADS habe ich erläutert, warum ich den Begriff für unzutreffend halte und stattdessen von einem Anpassungsdefizitsyndrom spreche. Zum kindlichen Bewusstsein gehört der Vorrang der unmittelbaren konkreten Lustbefriedigung vor der mittelbaren abstrakten Lustbefriedigung. Das bedeutet, dass man bei einem Kind stets auch die unmittelbare Lust im Auge behalten muss, selbst dann, wenn es um längerfristige Ziele geht. Die meisten Kinder wissen zwar bereits mit zehn Jahren, dass die Schule für später enorm wichtig ist, doch ändern sich durch dieses Wissen nicht ihre Gehirnfunktionen, die im Kern einen nur schwer steuerbaren Impulsdarwinismus exekutieren, bei dem stets der Impuls gewinnt, der unmittelbar mehr Lust verspricht.

Man könnte argumentieren, dass dieser Mechanismus gelegentlich durch Druck oder Androhung von Sanktionen ausgehebelt werden könnte. Bei genauer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass Sanktionen unter bestimmten Voraussetzungen zwar dazu führen können, dass ein Kind die vermeintlich mit mehr Unlust verbundene Handlung ausführt, doch muss hier berücksichtigt werden, dass durch die Strafandrohung die Gewichte in der Unlust-Waagschale zunehmen. Selbst wenn in Einzelfällen durch Druck kurzfristige Ziele erreicht werden können, so ist dies meist für alle Beteiligten mit einem hohen Energieaufwand verbunden und führt langfristig dazu, dass man sein Kind immer häufiger zu Leistungen anschieben muss, ähnlich wie ein Auto, das nicht von selbst zündet.

Wäre der Impulsdarwinismus bei Kindern ein zwangsläufiger Mechanismus, dann bliebe nicht anderes übrig, als sich damit abzufinden. Es gibt jedoch einige hilfreiche Operationen, die an der Impulsquelle ansetzen und es ermöglichen, unwillkürliche und unbewusste Prozesse in den willkürlichen Bereich zu übertragen und so die Steuerungsfähigkeit der Kinder erhöhen. Im Quellbereich der Impulse agieren jene Kräfte, die darüber entscheiden, welche zu einem gegebenen Zeitpunkt mögliche Aktionen es aus dem Reich der inneren Möglichkeiten in das der äußeren Wirklichkeit schaffen. Dieses innere Spiel, der um die Vorherrschaft kämpfenden Impulse, das jeden unserer Atemzüge begleitet, kann unter Anwendung einer einfachen Technik beobachtet werden. Und diese Beobachtung als solche verändert bereits die Kräfteverteilung beim Wettstreit der Impulse.

Wenn Kinder und Jugendliche besonders leicht erregbar sind, über eine gut entwickelte bildhafte Vorstellungskraft verfügen und einen starken inneren Dirigenten, dann tun sie sich gewöhnlich besonders schwer mit unlustbetonten Anpassungsleistungen, die ihnen im schulischen Umfeld abverlangt werden. Kommt dann zu der überdurchschnittlichen Impulsstärke noch eine besonders hohe Impulsfrequenz hinzu in Form von Gedanken und gefühlsbetonten inneren Bildern sowie eine hochsensible Empfänglichkeit für äußere Reize, dann haben diese Kinder es ungleich schwerer, sich auf Dinge zu konzentrieren, die nicht in ihr motivationales Beuteschema passen. Unter günstigen äußeren und inneren Rahmenbedingungen können diese Kinder und Jugendlichen hervorragende Leistungen erbringen, im schulischen wie außerschulischen Bereich. Was sie besonders brauchen, ist eine hohe Präsenz und Empathie der Personen, die Ihnen Wissen vermitteln und die, statt sich in Gegenwart der Schüler selber Fragen zu beantworten, die Neugier der Kinder wecken können. Mit dem von mir entwickelten Selbstbeobachtungssystem möchte ich besonders Kinder dieses Typs fördern, die häufig unberechtigterweise in der ADS-Schublade landen.

III. Wie Gedankenbeobachtung unsere Motivation verändern kann

Wie das Impulsspiel funktioniert, habe ich auf der Unterseite Hausaufgaben: Konzentration und Motivation ausführlich beschrieben. Hier stelle ich Ihnen nun eine einfache und hochwirksame Technik vor, wie die Beobachtung der Gedanken und inneren Bilder angewendet werden kann. Vorher möchte ich noch auf ein Missverständnis hinweisen, das bezüglich der Gedankenbeobachtung weit verbreitet ist. Denken und Gedanken beobachten sind zwei grundverschiedene Prozesse. Hirnforscher schätzen die Zahl der Gedanken, die uns täglich durch den Kopf gehen, auf dreißigtausend bis sechzigtausend. Die wenigsten davon erreichen überhaupt die Schwelle vom Unbewussten zum Bewussten und den wenigen, denen dies gelingt, verflüchtigen sich ähnlich schnell, wie sie aufgekommen sind. So ist es nicht verwunderlich, dass wir uns abends vor dem Einschlafen nur noch an wenige Gedanken des Tages erinnern können. Und von diesen wenigen schafft kaum ein einziger den Einzug ins Langzeitgedächtnis. Man könnte also sagen: Wir denken fast ausschließlich für den Augenblick und den Papierkorb.

Da wir aber wissen, dass wir täglich eine Menge Gedanken produzieren, machen wir leicht den Fehler zu glauben, wir wüssten, was wir denken. Das Was und Wie unseres Denkens erschließt sich jedoch nur dem beobachtenden Geist und ermöglicht ihm, einen künstlichen Abstand zu schaffen. In Wirklich sind der beobachtende und der beobachtete Geist natürlich eins. Durch einen einfachen Trick kann jedoch der Denker seine Gedanken so vor seinem geistigen Auge erscheinen lassen, dass er sie nicht nur in Ruhe beobachten und intensiv wahrnehmen kann, sondern auch in der Lage ist, zu spüren, welche Auswirkungen jeder einzelne Gedanke auf seine Gedankenverknüpfungen, Gefühle und Körperempfindungen hat.

Die Technik
Stellen Sie sich vor, Sie sind ein lebendiger Berg, der mit geschlossenen Augen die Wolken beobachtet, die an ihm vorüberziehen. Über die Wolken kann er sein eigenes Innenleben verfolgen. Sie dienen ihm als Spiegel dessen, was sich in jeder Sekunde in seinem Inneren regt. Wie Sprechblasen und Bildblasen in einem Comic präsentieren ihm die Wolken, woran er gerade denkt und was er sich bildhaft vorstellt. Jetzt zum Beispiel sieht er eine Wolke, in der seine Lieblingspizza fröhlich vor sich hin dampfend vorüberzieht, mit typischen Comiclauten wie GROMPF, HAPS und MHMMM. Dabei spricht er leise zu sich: „Aha, da ist meine Lieblingspizza, die ich mir heute Abend gönnen werde!“ Kaum ist die Wolke vorübergezogen, kommt schon die nächste, in der er sich mit seinen besten Bergfreunden beim Lieblingsitaliener trifft und sich besonders über seinen Tischnachbarn amüsiert, der bereits vor dem Eintreffen der fertigen Pizza soviel Speichel produziert hat, dass man damit eine ganze Kuhherde hätte tränken können. Auch jetzt kommentiert der Berg wieder innerlich, was er sieht: „Aha, jetzt denke ich an den Sabberberg, wie er …!“

Der Berg und die Wolken sollten bei der Übung nur als Metaphern dienen, um das Verweilen in der Beobachterrolle zu erleichtern. Manche Kinder verwenden sie regelmäßig, weil sie so die besten Ergebnisse erzielen, andere verzichten irgendwann ganz darauf und wieder andere entwickeln eigene Metaphern, mit deren Hilfe sie optimal ihre Gedanken und Bilder beobachten können. Wenn keine der Methoden zufriedenstellend funktioniert, biete ich den Kindern alternative Techniken an. Wenn Sie die Berg-Wolken-Technik verwenden, ist es besonders wichtig, dass Sie jeden einzelnen Gedanken und jedes einzelne Bild innerlich kommentieren. Wenn ein Kind zum Beispiel kommentiert: „Aha, jetzt denke ich daran, dass ich gleich meine Hausaufgaben machen muss!“ - sorgt die Kommentierung dafür, dass der ansonsten flüchtige Gedanken für ein paar Sekunden im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Das hat mehrere Vorteile.

Die Anwendung
Zum einen verlangsamt sich das Gedankenaufkommen durch die Kommentierung. Das Vorüberziehen der Wolken braucht Zeit, und zwar so viel, dass im selben Zeitraum eine Vielzahl an flüchtigen Gedanken hätten vorbeirauschen können, ohne wahrgenommen zu werden. Bei regelmäßiger Anwendung der Übung – einmal fünf Minuten wöchentlich über einen Zeitraum von mehreren Monaten reichen aus – führt das niedrige Gedankenaufkommen in Verbindung mit einem höheren Bewusstheitsgrad gewöhnlich zu mehr innerer Ruhe, zu weniger Stress und zu einer verbesserten Konzentrationsfähigkeit. Zum anderen führt die Kommentierung dazu, dass der Abstand zwischen Denker und Gedanken durchgängig erhalten bleibt. Besonders Kinder verlieren diesen Abstand schnell, wenn sie glauben, ihn verzichten zu können. Um die Fähigkeit der Gedankenbeobachtung dauerhaft aufrechtzuerhalten, empfehle ich nach der intensiveren Anfangsphase die Übung noch eine Zeitlang monatlich und danach noch ein Mal pro Quartal durchzuführen. Nach ein bis zwei Jahren ist die Technik meist so verinnerlicht, dass auf Übungen gänzlich verzichtet werden kann.

IV. Gedankenbeobachtung als Basis für eine verbesserte Motivation und Konzentration

Es ist erstaunlich, in welchem Maße sich die Gedankenbeobachtung als solche bei vielen Schülern positiv auf ihre Motivation und Konzentration auswirken kann. Um dabei tiefgreifende und nachhaltige Fortschritte zu erzielen, lohnt es sich jedoch, das fruchtbare Material, das die Betrachtung der eigenen Innenwelten zutage fördert, intensiv zu nutzen. Über die Beobachtung der eigenen Gedanken und inneren Bilder erfahre ich, warum ich mich in spezifischen Situationen so oder so verhalte. Als Schüler kann ich mir zum Beispiel genau anschauen, welche Widerstände in mir auftauchen, sobald ich mich nachmittags freiwillig vom Himmel in die Hölle begeben soll, nämlich dann, wenn es heißt: Hausaufgaben machen! Ich kann beobachten, wie diese Widerstände dazu führen, dass ich bei den Hausaufgaben trödele und unkonzentriert bin. Auch kann ich registrieren, dass ich dadurch meine Höllenqualen künstlich verlängere und somit auch vergrößere. Diese Erfahrung kann, muss aber nicht dazu führen, dass ich mein Verhalten ändere. Die meisten Schüler brauchen zusätzliche Anregungen, um sich aus dem täglichen Teufelskreis zu befreien.

In einem Buch, an dem ich zurzeit arbeite, werde ich ausführlich auf die wichtigsten der Punkte eingehen, die auf der Basis der Gedankenbeobachtung eine bessere Motivation, Konzentration und Selbstorganisation ermöglichen. Eine kleine Auswahl dieser Themen werde ich hier vorab kurz skizzieren, beginnend mit den Möglichkeiten, die sich unmittelbar aus der Gedankenbeobachtung ergeben.

Sobald ein Schüler die Technik der Beobachtung von Gedanken und inneren Bildern beherrscht, hat er potenziell Zugang zu fast allen Inhalten seines Bewusstseins, sowohl der bewussten als auch der unbewussten Ebene. Dies vermindert enorm das Risiko, dass schädliche Gedankenprogramme in Trojanermanier seine Motivation und Konzentration beschädigen. Darüber hinaus wird er bald die wenigen kolossalen Gedankenkomplexe enttarnen, die täglich mit bis zu mehreren Tausend sein Gehirn beschäftigen und somit den Raum auf seiner „Festplatte“ belegen, der eigentlich für konzentriertes Lernen und Handeln vorgesehen ist. Sobald ein Schüler in der Lage ist, die Auswirkungen bestimmter Gedanken und Gedankenkomplexe auf seine mentale, psychische und körperliche Verfassung zu spüren, wird er aus seiner Eigenmotivation heraus dafür sorgen wollen, dass die schädlichen Programme deaktiviert oder zumindest entschärft werden.

Das Material, das er dabei zutage fördert, wird hauptsächlich aus diesen fünf Quellen stammen:

  1. ungelöste bzw. als unlösbar erscheinende Probleme, die dazu führen, dass sich endlose unfruchtbare Gedankenkreise bilden
  2. unbefriedigte Wünsche und als unerfüllbar erscheinende Sehnsüchte, die ebenfalls dazu führen, dass Gedanken rotieren, statt linear an Lösungen zu arbeiten
  3. irreale Ängste, die den gesamten Organismus schwächen, vom Denken über die Atmung bis zum Immunsystem
  4. Akute Probleme, durch die das Selbstwertgefühl und die Selbstsicherheit beeinträchtigt werden und die deshalb so viel Raum im Denken und Fühlen einnehmen, dass alles andere dadurch überlagert wird
  5. unwillkürliche gedankliche und bildhafte Assoziationsketten, die die Konzentrationsenergie blitzartig aus der Beschäftigung mit Pflichtaufgaben abziehen und in eine tagtraumartige Bewusstseinsebene überführen

Jede einzelne dieser Quellen erfordert unterschiedliche Maßnahmen und spezifische Lösungen für jede Situation und jeden einzelnen Schüler. Je nach Alter und Reflexionsvermögen sind die Kinder bei der Beseitigung von störendem Gedankenmaterial, einschließlich der dadurch verursachten Schäden im körperlichen und seelischen Bereich, auf Unterstützung von außen angewiesen, z.B. durch Eltern, Therapeuten oder Lerncoachs. Ich erlebe jedoch immer wieder, dass viele Schüler manches aus eigener Kraft ändern können und auch wollen, sobald sie wissen, wie sie wirklich ticken und dass es sich dabei nicht um irgendeine Form von Handicap oder gar Krankheit handelt.

Zum Schluss möchte ich noch einzelne Bereiche nennen, die mittel- und langfristig besonders von der fortgesetzt angewandten Gedankenbeobachtung in Verbindung mit einem auf Körper, Geist und Seele ausgerichteten Spürbewusstsein profitieren:

1. Sie ermöglicht die Entwicklung von Lerntechniken, die genau auf den jeweiligen Typ zugeschnitten sind, indem die Schüler in der Lage sind, ihr Gehirn dabei zu beobachten, in welcher Qualität das Gehirn die erlernten Informationen abspeichert.
2. Sie ermöglicht die Erstellung eines individuellen Lust-Unlust-Profils, aus dem sich die Rahmenbedingungen für ein effizientes Lernen ableiten lassen.
3. Sie ermöglicht ein sich kontinuierlich verbesserndes Gespür für Dinge, Personen und Beschäftigungen, die mir gut tun bzw. schaden und hilft dabei, klar zwischen Energieräubern und Energiespendern unterscheiden zu können.
4. Durch die ungeschminkte bewusste Wahrnehmung einer schlechten Selbstorganisation, einschließlich der damit verbundenen Konsequenzen für die Relation von Lernaufwand und Lernerfolg, ermöglicht sie, schulische Aufgaben so zu organisieren, dass bei gleichem Aufwand erheblich bessere Resultate erzielt werden können.
5. Sie ermöglicht mir, die Technik der Selbstbeobachtung auch auf das eigene Atemsystem anzuwenden und auf diese Weise Einfluss zu nehmen auf die neben dem Gehirn wichtigste Steuerungszentrale des menschlichen Organismus.

Es gibt eine Art entspannter Superkonzentration, für die ich den Begriff "Gewahrsein" verwende und die ich auf der gleichnamigen Website Gewahrsein ausführlich darstelle. Zwar ist diese Internetseite primär für Erwachsene konzipiert, doch wenn es Ihnen gelingt, Ihr eigenes Gewahrsein zu erhöhen, könnten auch Ihre Kinder davon profitieren, insbesondere durch eine innerfamiliäre Kommunikation, die täglich Brücken baut, statt Spannungen und Widerstände zu erzeugen.

 

 
3. Aktuelle Zitate rund um das Thema "Lernen"

 

Pädagogische Zitate der Woche

Hier erscheinen jede Woche drei neue Zitate zu den Hauptthemen Lernen, Konzentration, Motivation, ADS, Schule und Lernpädagogik.

33. Kalenderwoche

Zitat Nr. 1:

Je mehr wir uns auf unsere Probleme konzentrieren, uns damit beschäftigen und in sie vertiefen, desto mehr verfestigen wir sie hirnphysiologisch.
Rainer Schwing/Andreas Fryszer - Systemische Beratung und Familientherapie, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2013, S. 68

Zitat Nr. 2:

So wie unser Gehirn beschaffen ist, wird immer dann gelernt, wenn positive Erfahrungen gemacht werden.
Manfred Spitzer in: Lernen: Gehirnforschung und die Schule des Lebens, Heidelberg: Verlag Spektrum, 2006, S. 181

Zitat Nr. 3:

So lästig sie auch sein mögen - mitunter erweisen sich negative Emotionen als Lebenshilfe. Nicht selten signalisieren sie schlicht und einfach, dass irgend etwas falsch gelaufen oder es an der Zeit ist, zu handeln, um einem potentiellen Problem zuvorzukommen.
Dennis Lewis, Das Tao des Atmens, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 1999, S. 61