Was fördert die Konzentration?

Hier finden Sie zahlreiche Hinweise und Tipps, wie Eltern und Lehrer sowie die Schüler selbst ihre Konzentration fördern können, im Unterricht, bei den Hausaufgaben und im alltäglichen Leben. Die 14 Punkte beziehen sich auf die unter "Was stört die Konzentration?" aufgeführten Ursachen für Konzentrationsprobleme.

Mögen die Erklärungen und Übungsvorschläge Ihnen und Ihrem Kind dabei helfen, dessen Lernfreude, Lebensfreude und Konzentrationsfähigkeit zu steigern!

Konzentration fördern: 14 Punkte, die die Konzentration von Schülern fördern

 

1. Wie Schüler sich selbst scannen lernen

Für meine Schüler habe ich verschiedene Scann-Übungen entwickelt und einige davon auf dieser Website ausführlich beschrieben wie zum Beispiel auf der Unterseite Hausaufgaben ... sowie auf meiner Website "gewahrsein.net". Falls Sie letzterem Link folgen möchten, empfehle ich Ihnen, dies erst nach der Lektüre der hier aufgeführten 14 Punkte zu tun, da diese sich stärker auf das schulische Lernen konzentrieren.

Im Kern bestehen die Übungen darin, dass die Schüler lernen, ihre Gedanken wahrzunehmen und sich auf sie zu fokussieren, bis sie jederzeit in der Lage sind, sich anzuschauen, welche Gedanken und inneren Bilder sie gerade wahrnehmen.

Entsprechendes gilt für die Körperempfindungen und die Gefühle. Die Übungen bewirken unter anderem, dass sich das Gedankenvolumen verringert und die Frequenz entschleunigt, sodass es leichter ist, einen klaren Kopf zu bekommen und zu bewahren. Bis einschließlich Punkt 5 werden verschiedene Scanmethoden beschrieben.

2. Ein gesunder Körper für einen gesunden Geist

Das körperliche Wohlbefinden ist eine elementare Voraussetzung für gute Leistungen in allen Lebensbereichen. Ohne die fünf Basics stoßen sämtliche mentale Techniken für eine bessere Konzentration schnell an ihre Grenzen.

Ich habe viele Eltern erlebt, die graue Haare bei dem Versuch bekommen haben, ihren Kindern diese Basics beizubringen. Es gibt einen Grund dafür, warum eine so einfach erscheinende Aufgabe sehr schwierig sein kann. Die Kinder atmen nicht absichtlich flach, trinken zu wenig, essen Dinge, die träge machen, bewegen sich zu wenig oder entscheiden sich bewusst für einen schlechten Schlaf.

Sie können Ihren Kindern helfen, ihr Verhalten zu ändern, indem Sie ihnen erklären, was passiert, wenn man die fünf Basics ignoriert. Die folgenden Punkte sind nur wenige Beispiele dafür, wie man die durch das Ignorieren der Basics entstehenden Verluste veranschaulichen kann:

Wer flach atmet, verhält sich wie ein Autofahrer, der immer nur fünf Liter tankt und deshalb den meisten Sprit auf den Wegen zur Tankstelle und zurück verbraucht.
Wer zu wenig isst und trinkt und dann auch noch in schlechter Qualität, verhält sich wie ein Sprinter, der sich freiwillig zwei Eisenkugeln an die Füße bindet, denn im Verhältnis zu seinen Mitschülern hat er Tag für Tag weniger Energie zur Verfügung, das heißt auch weniger Konzentrationsenergie.

Wenn Schüler sich zu wenig bewegen, kann man ihnen mit einem Blutdruckmessgerät leicht demonstrieren, wie dramatisch zum Beispiel drei Stunden ohne Pause am PC den Blutdruck in die Höhe treiben.

Bei Schlafmangel bringen Erklärungen meist nicht viel. Dafür kämen eher Hinweise in Betracht, mit deren Hilfe man besser schlafen kann. Unter Punkt 6 finden Sie kurze Tipps zu allen fünf Basics.

3. Starkes körperliches Spürbewusstsein

Wenn seine physische Verfassung konzentriertes Lernen erschwert oder verhindert, dann kann der betroffene Schüler sich auch selber helfen, indem er ein Spürbewusstsein entwickelt, das es ihm ermöglicht, seine körperliche Verfassung zu checken und positiv darauf einzuwirken. Ohne dieses Spürbewusstsein müsste er von außen immer wieder daran erinnert werden – eine lästige Sisyphusarbeit, die meist von den Eltern erledigt werden muss.
Von zahlreichen Übungen, die dafür in Betracht kommen, hat sich diese dafür besonders bewährt:

Der Schüler liegt entspannt auf dem Rücken und konzentriert seine Wahrnehmung etwa fünf Minuten nacheinander auf die Organe Bauch, Herz und Kopf. In einem zweiten Durchgang fokussiert er sein Bewusstsein fünf Minuten lang auf das Organ, das er am intensivsten spüren konnte. Ideal ist, wenn ihn jemand bei seiner Sitzung begleitet und seine Beobachtungen aufschreibt.

Sobald das Kind in der Lage ist, seine Wahrnehmung im Liegen auf einzelne Körperteile zu fokussieren, kann es damit beginnen, sein Spürbewusstsein in bestimmten Situationen auf einzelne Organe auszurichten, die sich nicht gut anfühlen oder sogar weh tun. Um ein bestimmtes Organ oder Körperteil in einen besseren energetischen Zustand zu bringen, begibt sich der Schüler wieder entspannt in die Rückenlage, legt beide Hände auf die betreffende Stelle und macht dabei tiefe, entspannte Atemzüge, bis sich das Organ spürbar besser anfühlt.

Wenn ihm das ein paarmal gelungen ist, kann er damit beginnen, das Spürbewusstsein auch außer Haus einzusetzen, zum Beispiel wenn er sich in der Schule unwohl fühlt. Dann kommen die Hände natürlich nicht zum Einsatz. Nach den Vorübungen reicht es, wenn er sein Spürbewusstsein auf die Stellen lenkt, die sich nicht gut anfühlen.

4. Vom Unbewussten über das Bewusstsein in den Fokus der Wahrnehmung

Wenn ich mit Schülern Übungen zur Beobachtung ihrer Gedanken und inneren Bilder durchführe, sind die meisten erstaunt darüber, welche Prozesse in ihren Köpfen ablaufen und vor allem, dass man diese jederzeit beobachten kann, sobald man hinschaut. Natürlich laufen die Prozesse auch dann ab, wenn man nicht hinschaut und können dann ungehindert schalten und walten, wie sie wollen.

Von den dreißig bis sechzigtausend Gedanken, die uns nach Schätzungen von Hirnforschern täglich durch den Kopf gehen, erreichen nur wenige die Schwelle zum Bewusstsein. Bei Übungen zur Gedankenbeobachtung erhöht sich nicht nur die Quote der wahrgenommenen Gedanken, sondern auch deren Qualität. Beim entspannten Liegen öffnet sich das Tor zum Unbewussten und macht uns empfänglich für Informationen, die uns ohne den Beobachtungsstatus nie erreicht hätten.

Je besser ein Schüler die Beobachtungstechnik beherrscht, desto mehr Probleme werden ihm bewusst aber auch desto mehr Lösungen werden ihm präsentiert. Und er bekommt zunehmend ein besseres Gefühl dafür, welche Entscheidungen ihm in einem größeren Zusammenhang guttun, das heißt auf lange Sicht.

In dem Augenblick, in dem die Entscheidungsmöglichkeiten mit ihren potenziellen Auswirkungen auf unser Leben bewusst wahrgenommen werden, ist bereits der erste Schritt in Richtung Gedankensteuerung getan. Nun haben wir nämlich die Möglichkeit zu entscheiden, welchem Vorgang Jetzt! Priorität eingeräumt wird. Allein reicht dieser Schritt jedoch noch nicht aus.

Erst wenn als zweiter Schritt die Entscheidungsfrage in den Fokus rückt: „To be here, or to be there“ – kann der dritte und letztlich entscheidende Schritt in Angriff genommen werden: Die Umgewichtung der Lust/Unlust-Verteilung, die darüber entscheidet, ob man mit seinen Gedanken dort ist, wo man sich gerade befindet, oder anderswo – lateinisch: alibi. Mehr dazu unter Punkt 7.

5. Gefühle zwischen Lust und Unlust

Es gibt viele Methoden, sich seiner Gefühle bewusst zu werden. Die einfachste besteht darin, seine Gedanken und inneren Bilder zu beobachten, zu benennen und dann einzuschätzen, mit wie viel Lust oder Unlust sie verbunden sind. Je nachdem, wie sehr man die eigenen Gefühle differenzieren kann, sollte man dafür eine Skala zwischen minus drei und plus drei oder zwischen minus zehn und plus zehn verwenden.

Die Übung:
In ruhiger Umgebung und entspannter Rückenlage achtet man darauf, womit sich der eigene Geist gerade beschäftigt. Sobald man Gedanken oder Bilder wahrnimmt, beschreibt man diese laut in Form von kurzen Stichwörtern, zum Beispiel: Ich denke gerade an den Kindergeburtstag meiner besten Freundin am nächsten Wochenende – Wert: plus drei von maximal drei. Hilfreich ist es, wenn eine vertraute Person bei der Übung anwesend ist, die die Stichpunkte und Werte aufschreibt. Trägt man diese Werte in eine Grafik ein, zeigt sich häufig, dass innerhalb weniger Minuten oder Sekunden hohe Plus- und Minuswerte aufeinander folgen.

Wenn man diese Übung ein- oder zweimal im Monat praktiziert, ist man bald in der Lage, seine emotionale Verfassung auch in der Hektik des Alltags zu checken. Man kann sie dann quasi an seinem „Emometer“ ablesen und auf diese Weise mehr Spielraum gewinnen bei Entscheidungen, die spontan getroffenen werden müssen.

6. Steuerungstechniken bei körperlichen Engpässen

Damit Steuerungstechniken von Schülern angenommen und angewendet werden, sollten diese:

  • deren Sinn einsehen
  • keine Sorge haben, dass sie sich auf ein Minusgeschäft in puncto Lust einlassen
  • unter keinen Umständen von ihren Eltern wegen ihres bisherigen Verhaltens auf die Anklagebank gesetzt werden
  • einfache Techniken vermittelt bekommen, wie sie ihr Verhalten dort ändern können, wo es ihnen schadet


Eine kleine Auswahl von Steuerungstechniken, die sich bei vielen Schülern in der Praxis bewährt haben:

Essen
Will ihr Kind nicht frühstücken, dann stellen Sie mit ihm ein „Kompromissfrühstück“ zusammen, das es ausreichend mag und das ihm ausreichend Nährstoffe für eine gute Konzentration zur Verfügung stellt. Bleiben Sie hartnäckig, wenn das nicht auf Anhieb klappt.

Trinken
Sorgen Sie dafür, dass auf dem Schreibtisch Ihres Kindes immer eine Flasche Mineralwasser steht, falls es das nicht mag, zusätzlich eine Falsche von seinem Lieblingsgetränk. Lassen Sie sich eine kleine Belohnung einfallen, wenn es sich schwer damit tut, sein Trinkverhalten zu verbessern. Bringen Sie mit Geduld ihr Kind dazu, die Flasche Mineralwasser nach einer gewissen Zeit selbst auf den Schreibtisch zu stellen.

Bewegen
Wenn ihr Kind sich zum Beispiel wegen exzessivem Medienkonsum wenig bewegt, hat schon oft der Deal geholfen, mehr Bewegung = mehr Medienzeit, weniger Bewegung = weniger Medienzeit.

Schlafen
Wenn Ihr Kind Einschlafprobleme hat, bitten Sie es, die Gedanken stichpunktartig aufzuschreiben, die ihm abends im Bett durch den Kopf gehen. Bleiben Sie hartnäckig, wenn es sich nicht gleich beim ersten Mal darauf einlässt und bieten Sie ihm die Möglichkeit an, ein „X“ einzutragen, bei Gedanken, die es wahrgenommen hat, aber für sich behalten will. Oft ergeben sich daraus Hinweise für positive Veränderungen, die weit über das Einschlafproblem hinausgehen.

Atmen
Bringen Sie Ihrem Kind die natürliche Bauchatmung bei, falls es sie noch nicht beherrscht. Wenn es Lern- oder Prüfungsblockaden hat, erklären Sie ihm den Blockadenkreislauf. Dann wird es besser verstehen, warum drei entspannte Atemzüge vor dem Einschlafen und nach dem Aufwachen bewirken, dass sich ein Atembewusstsein entwickelt. Ohne dieses Atembewusstsein würde es gar nicht mitbekommen, wenn seine Atmung stockt und dann auch nicht in der Lage sein, den Steuerhebel in Richtung einer guten Versorgung mit Sauerstoff umzulegen.

7. Selbststeuerung bei schädlichen Ablenkungsimpulsen

Das Bestreben, Lust zu gewinnen und Unlust zu vermeiden, trifft auf Eltern und Kinder gleichermaßen zu. Was langfristig die größere Lust bringt, lehrt uns die Erfahrung. Daran mangelt es den Kindern, und viele Erwachsene vergessen irgendwann, dass sie sich selbst einmal ähnlich „unvernünftig“ verhalten haben wie ihre Kinder. Auch haben viele Eltern vergessen, wie leicht Kinder alles verdrängen können, was mit Unlust verbunden ist.

Stellt man sich eine Waage mit zwei Schalen vor und in der linken die Lust-, in der rechten die Unlust-Gewichte, dann schauen Kinder gewöhnlich nur auf die "Lustschale", wenn sie einen starken Lustimpuls verspüren. Und genau hier liegt das Problem. Bei ihren Entscheidungen wird die damit verbundene Unlust nicht in die Waagschale geworfen und somit nicht in Rechnung gestellt.

Leider hilft es auch nicht viel, wenn Eltern diesen Job für sie übernehmen. In diesem Punkt sind die meisten Schüler auf beiden Ohren taub. Wo Fremdsteuerung versagt, kann es nur die Selbststeuerung richten. Eine der besten Übungen zur Verbesserung der Selbststeuerung bei Lust-Unlust-Konflikten ist nach meinen Erfahrungen die folgende:

Es wird eine Situation ausgewählt, in der der Schüler Ablenkungsimpulsen gefolgt ist, die ihm nach seiner eigenen Einschätzung geschadet haben. Dann lässt er unter Tiefenentspannung die Situation Revue passieren und betrachtet die Waagschalen in dem Zustand, als die Lustimpulse ihn übermannten, während die Schale mit der Unlust noch leer war.

Nun ruft er sich in Erinnerung, welcher Schaden sich im Nachhinein aus seiner Entscheidung ergeben hat und legt die entsprechenden Punkte in die Schale mit den Unlust-Gewichten. Wenn er nun beobachtet, wie sich die Unlust-Schale senkt, während die Lust-Schale sich über die Mitte hinaus nach oben bewegt, dann sieht und fühlt er, welche Entscheidung damals für ihn besser gewesen wäre. Mit Spürbewusstsein und nicht mit paradoxen Appellen können Schüler sich diese, in ihrer Bedeutung kaum zu überschätzende Fähigkeit, aneignen.

Der Schüler wird sich nach den ersten Übungen dieser Art in bestimmten Situationen immer noch genauso falsch verhalten wie vorher. Doch wenn er mit der Unterstützung durch eine vertraute Person die Übungen fortsetzt, wird es nicht lange dauern, bis er zum ersten Mal eine Korrektur nicht nur in der Nachbetrachtung, sondern in der Situation selber hinbekommt. Dann besteht berechtigte Hoffnung, dass sich seine Selbststeuerung mit jedem gelungenen Versuch weiter verbessert.

8. Selbststeuerung bei Reizüberflutung

Die meisten Schüler sind leidenschaftliche Entdecker. Wenn sie einen unbekannten Raum betreten, in dem es viele interessante Details zu beobachten gibt, dann empfinden sie ein starkes Bedürfnis, diesen Raum mit ihren Augen zu scannen. Versucht man in solchen Momenten, ihre Aufmerksamkeit auf schwierige Aufgaben zu lenken, die eine hohe Konzentration erfordern, dann fällt es ihnen schwer, sich von den Objekten abzuwenden, auf die ihre natürliche Aufmerksamkeit sich ausgerichtet hat.

Solche Situationen beobachte ich immer wieder, wenn Schüler mich zum ersten Mal in meiner Praxis aufsuchen. Um ihnen diesen Aufmerksamkeitskonflikt zu ersparen, biete ich ihnen zu Beginn des Treffens leichte mentale Kost an, die ihnen das gleichzeitige Sprechen oder Zuhören und das Scannen des Raums ermöglicht.

Später lernen die Schüler – wie unter anderem in Punkt 1 beschrieben – ihre Gedanken und Wahrnehmungen zu beobachten, was ihnen überhaupt erst ermöglicht, einen solchen Aufmerksamkeitskonflikt zu bemerken. Um ihn schließlich aufzulösen, könnte im Prinzip die von mir unter Punkt 7 beschriebene Waagschalen-Methode helfen. Doch in diesem Beispiel wäre sie ungeeignet, da sie voraussetzen würde, dass man sich für eine Weile aus der Kommunikation ausklinken könnte, um in Ruhe eine komplexe Lust-Unlust-Abwägung vorzunehmen. Für Situationen wie diese gibt es bessere Methoden, von denen ich eine kurz vorstelle:

Sobald der Schüler den Aufmerksamkeitskonflikt registriert hat, stellt er sich zwei Sprechblasen vor, wie man sie aus Comics kennt. In diesen Blasen platziert er einen kurzen Text und/oder ein Bild. Auf den beschriebenen Konflikt bezogen schreibt er in die erste Blase „Raum entdecken“ und die zweite „Gespräch“ oder „Übung“. Alternativ kann er sich auch in der ersten Blase den Raum als Bild vorstellen und in der zweiten die am Gespräch bzw. der Übung beteiligten Personen.

Dieser einfache Trick kann den Schülern dabei helfen, ihre Aufmerksamkeit besser zu steuern. Während sie im Fluss des Geschehens schnell den Überblick und die Kontrolle verlieren, bieten die beiden Standbilder mit Text oder Bildinhalt jederzeit die Möglichkeit, zwischen beiden hin und her zu switchen, eins von beiden auszublenden oder – falls sie das können – Multitasking zu betreiben.

Diese auf den ersten Blick einfach erscheinende Methode erweist sich in der Praxis oft als schwierig und sollte deshalb in banalen Alltagssituationen eingeübt werden, bevor sie in komplexen und kritischen Momenten zum Einsatz kommt.

9. Multitasking vermeiden oder erleichtern

Der beste Umgang mit Multitasking besteht nach meiner Einschätzung darin, es überall zu vermeiden, wo das möglich ist. Da es jedoch Situationen im Alltag gibt, in denen man gezwungen wird, zwei oder mehrere Tätigkeiten gleichzeitig zu verrichten, die jeweils höchste Konzentration erfordern, brauchen die Schüler Tipps, die ihnen das Multitasking erleichtern. Zunächst möchte ich ein Beispiel beschreiben, bei dem es sinnvoll ist, unsinniges Multitasking zu vermeiden.

Den klassischen Fall eines misslingenden Multitasking erleben viele Eltern, wenn sie ihre Kinder bei den Hausaufgaben begleiten oder beobachten. Manchen Schülern gelingt es, sich nachmittags stundenlang mit schulischem Lernen zu beschäftigen, das sie mit konzentriertem Arbeiten in weniger als einer Stunde hätten erledigen können.

Dabei versuchen sie zwei Dinge gleichzeitig zu tun: ihre Hausaufgaben zu erledigen und alles mögliche zu unternehmen, um sich selbst daran zu hindern. Die tausend Wege, die sie finden, um ihre Lernzeiten mit inneren Abschweifungen und äußeren Handlungen künstlich in die Länge zu ziehen, sind hinlänglich bekannt. Viele Schüler verbringen kostbare Lebenszeit im Niemandsland zwischen konzentriertem Lernen und lustvoller Freizeit, in der sie machen können, was sie wollen.

Den ersten Schritt, um eine solche Zeitvergeudung zu vermeiden, habe ich bereits unter Punkt 1 beschrieben. Über eine gute Selbstwahrnehmung können sie rechtzeitig bemerken, wenn eine Multitaskingsituation auf sie zukommt oder sie sich bereits darin befinden.

Der zweite Schritt ist in dem Augenblick getan, in dem der Schüler einsieht, dass er sich mit der langen Zeit, die er im Niemandsland verbringt, vor allem selber schadet.

Der dritte Schritt ist ebenfalls einfach, erfordert jedoch viel Geduld bei der Umstellung des nachmittäglichen Lernens einerseits und freien Genießens andererseits von Multitasking auf Unitasking. Man darf nicht erwarten, dass sich das Problem durch die neue Erkenntnis von selbst erledigt. Die meisten Schüler brauchen Monate, bis sie ihre Zeit im Niemandsland auch nur halbieren können und weitere Monate, bis sie bei zwanzig Prozent liegt. Weniger sollte es nicht sein, weil ein gewisses Maß an Ablenkungen dabei hilft, sich über einen längeren Zeitraum konzentrieren zu können.

Wichtig ist, dass die Eltern bei der Umstellung mitspielen. Manche machen den Fehler, dass sie bei ihren Kindern mehr auf die Zeit schauen, die sie weiterhin im Niemandsland verbringen, als auf die Fortschritte, die sie machen, seien diese auch noch so klein. Es erweist sich als fatal, wenn die Eltern trotz einer höheren Lerneffizienz von ihren Kindern erwarten, dass sie genauso lange lernen sollen wie vorher, „weil es ja noch so viele Defizite aufzuarbeiten gibt“ usw.

10. Mehr Motivation beim Lernen

Die geringe Freude, die mit dem schulischen Lernen oft einhergeht, ist auch darauf zurückzuführen, dass Schüler den Sinn bestimmter Aufgaben nicht einsehen können. Im Prinzip liegen sie damit richtig, weil sie das meiste, was sie in der Schule lernen, später getrost vergessen können.

Was sollten sie nun tun, wenn sie einerseits den Sinn der Schule in Frage stellen und andererseits per Gesetz zum Schulbesuch verpflichtet sind? Meine Antwort lautet: da, wo es möglich ist, selber Sinn finden, und da, wo es nicht möglich ist, sich mit der Sinnlosigkeit abfinden.

Zu den stärksten Triebkräften der Motivation zählt neben der Freude an der Arbeit die Belohnung, die man für seinen Aufwand erhält. Die meisten Schüler fühlen sich durch die Schule jedoch eher bestraft als belohnt, womit sie ebenfalls richtig liegen, sofern man nur auf die kurzfristigen Wirkungen schaut. Um so erstaunlicher ist es, dass viele Schüler trotz mangelndem Interesse an dem, was sie dort lernen, gern zur Schule gehen.

Es muss also etwas geben, weshalb sie sich freiwillig in die vermeintliche Hölle begeben. Schüler, die ich darauf angesprochen habe, nannten am häufigsten „Freunde treffen“ sowie einzelne Fächer oder Themen, die sie interessieren. Wenn ich dann nachfrage, ob man dort nicht auch lernt, Dinge zu tun, wozu man keine Lust hat, höre ich oft ein verdutzt klingendes spontanes „Ja!“.

Eine Diskussion über dieses Thema läuft in der Regel auf folgendes Fazit hinaus: Man sollte so viel Freude am Lernen haben wie möglich, und die unvermeidlichen Dinge, die mit Unlust verbunden sind, mit möglichst geringem Aufwand erledigen.

Das hört sich einfach an, scheitert aber gewöhnlich daran, dass man sich nicht einreden kann, Lust auf etwas zu haben, was man im Grunde hasst. Deshalb muss man das Pferd von hinten aufzäumen, indem man möglichst alle Hindernisse aus dem Weg räumt, die die Motivation ausbremsen. Der Hindernisparcours sieht bei jedem Schüler anders aus, doch es gibt Motivationshemmer, die besonders stark und häufig sind.

Da es auf der körperlichen, mentalen und psychischen Ebene nichts gibt, was die Motivation nicht beeinflusst, macht eine Auflistung der Motivationshemmer keinen Sinn. Deshalb zieht sich das Thema auch wie ein roter Faden durch meine Website mit dem Schwerpunkt auf der Unterseite Hausaufgaben: Motivation Konzentration.

11. Störende äußere Ablenkungen vermeiden oder abschwächen

Nicht alle äußeren Ablenkungen sind störend. Manche sind uns sogar sehr willkommen, weil sie uns Abwechslung bei einer mit Unlust verbundenen Tätigkeit bieten. Besonders problematisch sind störende äußere Ablenkungen, die durch Geräusche verursacht werden und die ich hier exemplarisch beschreibe. Vieles davon ist übertragbar auf Ablenkungen durch andere Sinne, wie etwa die visuelle Wahrnehmung.

Bevor man Störgeräusche von innen zu bekämpfen versucht, sollte man alle Mittel ausschöpfen, die äußere Störquelle zu beseitigen oder in ihrer Wirkung einzuschränken. Bei einem hohen Geräuschpegel während des Unterrichts empfehle ich, zunächst die betroffenen Lehrer zu kontaktieren, um gemeinsam nach einer Lösung für das Problem zu suchen. Sollte der Lärmpegel nicht gesenkt werden können, käme der Wechsel auf einen Platz in der ersten Reihe in Betracht. Wenn es auch bei Klassenarbeiten laut ist, haben schon oft Ohrstöpsel geholfen.

Für den Fall, dass die Lehrer nicht kooperativ sind, wäre es sinnvoll, von dem betroffenen Schüler ein Lärmprotokoll erstellen zu lassen. Er trägt dann während des Unterrichts in eine vorbereitete einfache Grafik alle paar Minuten einen Wert zwischen null und zehn ein. Ergänzend könnte man ein solches Protokoll auch während einer Stunde erstellen, in der es leise in der Klasse ist. Das stärkt Ihre Position als Eltern, falls man sich gegenüber dem Problem von schulischer Seite uneinsichtig zeigen sollte.

Ein solches einfaches Lärmprotokoll kann auch bei den Hausaufgaben helfen, die am meisten störenden Geräuschquellen ausfindig zu machen, um sie wenigstens eindämmen zu können, sofern sie nicht ausgeschaltet werden können. Die Lärm-Karenz-Methode ist deshalb so wichtig, weil Kinder, die besonders geräuschempfindlich sind, kaum Möglichkeiten haben, von sich aus etwas gegen einen akustischen Überfall zu unternehmen, der ihr inneres Territorium feindlich besetzt.

Es gibt dennoch Möglichkeiten, sich von innen gegen den mit den Geräuschen verbundenen Konzentrationsverlust zu wehren. Die nach meiner Einschätzung wirksamste Methode ist die Einschaltung des wichtigsten Steuerungsinstruments, mit dem wir Einfluss haben auf alle physischen, mentalen und emotionalen Prozesse: die Atmung. Besonders die sensiblen Schüler werden durch Störgeräusche ohnmächtig, im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie können sich weder dagegen wehren, noch etwas anderes tun.

In dieser Situation ist es hilfreich, wenn sie etwas tun, was sie eh immer tun, mit dem einzigen Unterschied, dass sie es nun willkürlich tun. Indem sie ihre Aufmerksamkeit auf die Atmung lenken, bewusst tief und entspannt ein- und ausatmen, schwächen sie die Macht der akustischen Invasoren. Während sie sich zuvor noch im störenden Draußen verloren hatten, sind sie nun wieder mehr bei sich. Ihr Bewusstsein ist nach innen zentriert und ihr Geist kann sich nun wieder besser konzentrieren.

Diese Zentrierung ermöglicht dann eine Neuausrichtung der Aufmerksamkeit auf ein anderes Draußen, während des Unterrichts, zum Beispiel auf den Sendemast des Lehrers und bei Klassenarbeiten auf die zu lösenden Aufgaben. Wenn Sie Ihrem Kind diesen Tipp mit auf den Weg geben möchten, bedenken Sie bitte, dass ein gewisses Maß von dem in Punkt 6 angesprochenen Atembewusstsein erforderlich ist, um die Technik in den entsprechenden Situationen an wenden zu können.

12. Effiziente Lernorganisation

Wer die Fehler vermeidet, die der - auf der Seite "Was stört die Konzentration?" - unter dem Stichwort „Ineffiziente Lernorganisation“ beschriebene Schüler täglich begeht, macht in puncto guter Lernorganisation bereits vieles richtig. Er kann es noch besser machen, wenn er die folgenden Organisationshilfen nutzt:

  • Drei Fächer werden ausgewählt, für die eine Verbesserung der Lernorganisation besonders wichtig wäre und jeweils eine Liste angefertigt mit den wichtigsten aktuellen Aufgaben, die in dem Fach erledigt werden müssen. Beim ersten Mal ist der Aufwand dafür enorm. Aktualisiert man diese Liste später etwa alle vier Wochen, fällt nur noch ein Bruchteil der Arbeit an. Besonders bei jüngeren Schülern sollten die Eltern bei der Erstellung der Liste behilflich sein. Erledigte Aufgaben sollten immer sofort abgehakt werden. Das gilt auch für die nächsten Punkte.

  • Bevor mit den Hausaufgaben oder der Vorbereitung auf eine Prüfung begonnen wird, werden die Tagesaufgaben auf einem Blatt vollständig aufgelistet und sortiert nach geschätztem Zeitaufwand. Begonnen wird mit den Aufgaben, die sich am schnellsten erledigen lassen.

  • Falls die Arbeit mal unterbrochen wird, bleiben alle Materialien griffbereit auf dem Schreibtisch liegen.

  • Sollte die Konzentration bei der Arbeit stark nachlassen, ist eine kurze Pause angesagt, in der nichts geschehen sollte, was mental anstrengend ist oder bei dem es schwer ist, wieder aus der Tätigkeit auszusteigen wie etwa bei Videospielen oder Fernsehen. Besonders gut eignen sich entspanntes Liegen oder körperliche Betätigung. Es gilt jedoch: Alles ist gut, was nach kurzer Zeit die Fortsetzung des konzentrierten Lernens ermöglicht.
  • Nachdem das, was auf der Tagesliste stand, abgehakt ist, sollte es keine Diskussionen über die Qualität der Arbeit geben. Solche Gespräche bringen nichts in einer aufgeheizten Atmosphäre, sondern erst dann, wenn sich die Gemüter wieder beruhigt haben.

  • In der ersten Phase nach der Umstellung der schulischen Organisation schauen die Eltern – sobald ihr Kind für den Tag Redaktionsschluss verkündet hat – oft mehr auf das, was nicht oder nicht gut genug erledigt wurde. Auf diese Weise können sie die Verbesserung der schulischen Organisation gründlich und dauerhaft verhindern. Es ist wichtig, dass nach Erledigung der täglichen To-do-Liste "die Freizeitglocke klingt". Danach sollten Schüler und Eltern möglichst keinen Gedanken mehr an das Thema „Schule“ verschwenden.

13. Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und Selbstprogrammierung

Wer versteht, wie er selber sein eigenes Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein daran hindert, sich zu entwickeln, der hat bereits eine wichtige Hürde genommen, um beides zu verstärken. Sollte Ihr Kind sich damit schwertun, könnte Paul Watzlawicks berühmte "Geschichte mit dem Hammer" dabei behilflich sein, im eigenen Leben Situationen zu finden, in denen man sich ähnlich verhält wie der Mann, in dieser Geschichte, Situationen, in denen die eigenen Gedanken und nur diese verhindern, dass man bekommt, was man will.

Ideal wäre, wenn die Eltern zusammen mit dem Kind eine Liste von Situationen erstellen, in denen dessen Gedanken den Erfolg verhindern. Wenn Eltern und Kinder sich der wichtigsten problematischen Situationen nicht bewusst sind, können diese unter Tiefenentspannung geortet werden, am besten mit einem professionellen Coach, der sich mit dem Setting und der Methode auskennt.

Viele Kinder verfügen über eine gut entwickelte bildhafte Vorstellungskraft. So hilfreich diese auch ist, wenn positive Bilder produziert werden, so schädlich kann sie sein, wenn man sich häufig vorstellt, wie etwas schiefgeht. Deshalb sollten die Schüler ihre aus Selbstbeobachtungsübungen gewonnen Erfahrungen dazu nutzen, die mentale Programmierung von negativ auf positiv umzustellen.

Das beste Übungsmaterial sind konkrete Alltagssituationen, die immer wieder schlechter verlaufen, als man es aufgrund der Fähigkeiten des Kindes hätte erwarten können. Für den Anfang empfehle ich Situationen, die einfach sind und von denen nicht viel abhängt, wie zum Beispiel alle Arten von Geschicklichkeitsspielen, bei denen ein Gegenstand mit den Händen oder Füßen an einen bestimmten Ort befördert werden soll. In Frage kommen dafür Fußball, Handball, Tennis, Poolbillard , Minigolf usw.

Wer dazu neigt, sich negativ zu programmieren, wird zum Beispiel beim Minigolf schon nach wenigen Fehlschlägen in Serie die Bälle immer „geschickter“ mit dem Kopf und dem Rest des Körpers an den Löchern vorbei dirigieren. Statt den Ball mit den Augen entspannt und konzentriert vom Abschlag bis ins Ziel zu begleiten und den ganzen Körper geschmeidig in den Dienst dieser Bewegung zu stellen, versucht er in „Hit-and-Hope-Manier“ zum Erfolg zu kommen, was meist in einem „Hit-and Despair“ endet. Nur der Schüler, der aus Erfahrung weiß, dass sich die Laufbahn des Balles vor allem in seinem Kopf entscheidet, wird bereit sein, an der kontinuierlichen Verbesserung seiner mentalen Programmierung zu arbeiten.

Sobald der Schüler die Technik der mentalen Selbstprogrammierung in Situationen trainiert hat, von denen nicht so viel abhängt, kann er sich schwierige Themen vornehmen wie zum Beispiel Lernblockaden oder neue Freunde finden. Zu ersterem Thema finden Sie auf dieser Website weitere Informationen unter Blockadenkreislauf. Deshalb beschränke ich mich hier auf einen kurzen Hinweis zu der Frage, wie durch überwundene Zweifel neue Freunde gewonnen werden können.

Wenn Schüler keine oder kaum gute Freunde haben, stehen mangelndes Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein bei den Ursachen meist auf den vorderen Plätzen. Auch hier kann man einen Kreislauf beobachten, der dafür sorgt, dass das Problem kein Ende findet. Wenn Ihr Kind bereit ist, mit Ihnen als Eltern das Thema Freunde finden gemeinsam anzugehen, empfehle ich, einen darauf zugeschnittenen Problemkreislauf zu erstellen und nach Lösungen zu suchen, die auf die spezifische Situation passen.

14. Wie man das Lernklima verbessern kann

Erster Schritt – Störfaktorenanalyse

Eltern und Schüler listen je für sich die Punkte auf, von denen sie glauben, dass sie das häusliche Lernen negativ beeinflussen. Anschließend bewerten sie die Störfaktoren nach ihrer Stärke auf einer Skala von eins bis zehn, wobei eins eine sehr geringe und zehn eine extrem starke Störung bedeutet.

Oft sind den Schülern die Störfaktoren nicht bewusst, oder sie tun sich schwer damit, ihre Bedeutung einzuschätzen. In diesem Fall empfehle ich eine einfache Übung:

Der Schüler liegt entspannt auf dem Rücken. Er gibt als Suchbegriff in seine innere Suchmaschine ein: „Was stört mich zu Hause beim Lernen?“ Wenn sich spontan keine passenden Suchergebnisse zeigen, sollte er einen der letzten Nachmittage vor seinem geistigen Auge Revue passieren lassen und dazu Stichpunkte geben, welche die Person aufschreibt, die ihn bei der Übung begleitet. Falls die Nerven von Eltern und Kind beim häuslichen Lernen blank liegen, sollte die Begleitperson jemand sein, dem ihr Kind sich bereitwillig anvertraut. Für den Fall, dass beim ersten Durchgang keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielt wurden, sollte die Übung an einem anderen Tag wiederholt werden.

Zweiter Schritt – Erstellung einer gemeinsamen Prioritätenliste

Eltern und Schüler erstellen jeweils eine Prioritätenliste, die sich daran orientiert, wie wichtig ihnen die jeweiligen Veränderungen sind und wie leicht bzw. schwer sie sich voraussichtlich umsetzen lassen. Aus den beiden Listen wird dann eine gemacht, indem abwechselnd ein Schüler und ein Elternwunsch eingetragen werden. Auf Platz eins der gemeinsamen Liste kommt der wichtigste Punkt der Schülerliste, auf Platz zwei der wichtigste der Elternliste und danach geht es abwechselnd so weiter.

Dritter Schritt – Was mich beim gemeinsamen Lernen an dir nervt!

Manchmal tauchen bereits bei der Störfaktorenanalyse einzelne Punkte auf, die sich auf die Kommunikation von Eltern und Kind beim gemeinsamen Lernen beziehen. Da dieser Faktor für die Lernlust und Lerneffizienz des Schülers von besonderer Bedeutung ist, sollten sie ihn in einer separaten Übung vertiefen:
Sie und Ihr Kind liegen entspannt nebeneinander auf dem Rücken – mit geschlossenen oder nach oben schauenden Augen. Als Thema wird die Frage vorgegeben: „Was mich beim gemeinsamen Lernen an dir nervt!“ Innerhalb von fünf bis zehn Minuten kann jeder spontan sagen, was ihm dazu einfällt. Der andere sollte auf den Beitrag nicht reagieren, auch nicht mit einsilbigen Kommentaren. Beide können sich jedoch auf vorbereiteten Klemmbrettern kurze Notizen machen. Wen das aus dem Fluss bringt, kann die Notizen auch unmittelbar nach der Übung anfertigen.

Bei dieser Übung kann es vorkommen, dass die Emotionen hochkochen und statt sachlicher Informationen Vorwürfe ausgetauscht werden. Bis zu einem gewissen Punkt ist das für eine Klärung durchaus hilfreich. Falls die Situation jedoch für einen der Beteiligten unerträglich wird, sollte die Übung abgebrochen und zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden.

Selten läuft diese Übung so harmonisch ab, dass sich sich vor allem beim Kind keine Widerstände regen. Doch wenn es auf diese Weise gelingt, das Arbeitsklima beim gemeinsamen häuslichen Lernen nachhaltig zu verbessern, hat sich die Mühe gelohnt. Entsprechendes gilt für das Lernklima im Klassenraum. Mit der beschriebenen Methode der Innenbetrachtung lassen sich auch die dortigen Störfaktoren aufstöbern und entschärfen.