Konzentration lernen für Schüler
Konzentration ist die Kunst,
dort zu sein, wo man ist.
Andreas Tenzer
 

Konzentration lernen - Wege zum konzentrierten Schüler

 

In vier Schritten zum konzentrierten Lernen

1. Finde heraus, welche der folgenden zehn Punkte deine Konzentration am meisten stören.
2. Suche aus der Lösungsliste passende Übungen zur Verbesserung deiner Konzentration heraus.
3. Teste zu Hause und in der Schule, welche der Tipps und Übungen dir am meisten bringen.
4. Entwickle daraus dein persönliches Programm für konzentriertes Lernen.

Liste der Störfaktoren:   Was stört die Konzentration beim Lernen?
Lösungsliste:                  Was fördert die Konzentration beim Lernen?

 
Warum fällt es Kindern und Jugendlichen schwerer, sich auf das Lernen zu konzentrieren, als den meisten Erwachsenen? Darauf gibt es eine einfache Antwort. Für Schüler hat die augenblickliche Lust Vorrang vor der zukünftigen Lust. Sie wollen ihre Zeit nicht mit der Vorbereitung auf ihr Leben verbringen. Sie wollen jetzt leben!

Sobald sie beim Lernen Unlust spüren, macht ihnen ihr Gehirn lustbetonte Angebote in Form von inneren und äußeren Ablenkungen. Folgen sie diesen, dann sagt man ihnen: "Nun konzentriere dich doch!" Sie und ich wissen jedoch, dass es so nicht funktioniert. Konzentration ist keine Frage des Wollens, sondern des Könnens. Dieses Können können Schüler lernen. Es gehört zu den schwierigsten Aufgaben im Leben aber auch zu den wenigen, von denen die Lebensqualität in besonderem Maße abhängt.

Wenn Folgendes gelingt, relativieren sich alle anderen Probleme im Zusammenhang mit dem Lernen, wie etwa Motivation, Selbstorganisation oder Lerntechniken:  das innere Spiel von Konzentrationsimpulsen und Ablenkungsimpulsen wahrnehmen und es so steuern können, dass Lust und Leistung sich nicht ausschließen, sondern wechselseitig befruchten.

 

Was Schüler und Eltern über Konzentration beim Lernen wissen sollten ...

 Übersicht mit Bildlinks zu weiteren Themen aus dem Menü:

Kreative Vernetzung durch ganzheitliches Lernen

Ganzheitlich lernen

Ganzheitlich lernen heißt, Zusammenhänge erkennen und herausfinden, was man tun kann, um die Rahmenbedingungen für das eigene Lernen kontinuierlich zu verbessern.

Unter Ganzheitlich lernen erfahren Sie, worin sich die von mir bevorzugte systemische Methode von Ansätzen unterscheidet, die rein symptomorientiert arbeiten, wie etwa Nachhilfe oder die meisten Verhaltenstherapien.

Wer ganzheitlich denkt und handelt, weiß aus Erfahrung: Es geht nie nur darum, dass bei einem unkonzentrierten Schüler "der Groschen fallen müsste", oder dass er einfach nur den "Hebel umlegen" müsste. Bei solchen vereinfachenden Vorstellungen wird nur noch mehr Druck aufgebaut, obwohl dieser oft die Hauptursache für Konzentrationsprobleme ist.


Lust und Angst beim Lernen

Die Bedeutung von Lust und Angst beim Lernen

Mit wie viel Motivation und Erfolg ein Schüler lernt, hängt vor allem davon ab, ob in seinem Gehirn die Lust-
oder Angstimpulse dominieren.

Während es sich mit Lust leichter lernt, kann Angst das Denken so sehr blockieren, dass der Schüler die
Lerninhalte weder versteht, noch in seinem  Langzeitgedächtnis abspeichern kann.

Rund um die Uhr verarbeitet das Gehirn Angst- und Lustimpulse. Für Schüler kommt es darauf an, sie
wahrzunehmen und in eine Richtung zu lenken, die das Lernen und Leben erleichtert.


Lernblockaden und Prüfungsblockaden

 

Lernblockaden und Prüfungsblockaden 

   Wie entstehen Lernblockaden und Prüfungsblockaden?

   Antworten auf diese Frage finden Sie unter dem gleichnamigen Menüpunkt oder per Klick auf das Bild.
   Dort wird auch der typische Blockaden-Verlauf beschrieben.

   Am Beispiel der zwölfjährigen Schülerin Liza wird gezeigt, wie sich eine Mathe-Blockade entwickeln kann und
   wie  sie sich auflösen lässt. Die meisten Tipps zur Lösung von Lern- und Prüfungsblockaden sind auch
   für ältere Schüler sowie für Studenten geeignet.




Bessere Konzentration bei den  Hausaufgaben

 

Konzentration und Motivation bei den HausaufgabenWenn man Schüler fragt, was sie am meisten an der Schule hassen, lautet die häufigste Antwort:
die Hausaufgaben!

Auf der Seite "Hausaufgaben - Motivation und Konzentration" haben Sie die Möglichkeit, tief in die
Innenwelten eines elfjährigen Jungen zu blicken, der gerade seine Hausaufgaben macht. Hier liegt
das Geheimnis verborgen, wie Eltern und Kind den nervigen täglichen Lernfrust verhindern können.

Und es wird deutlich, warum der Junge ohne Selbstbeobachtung und Selbststeuerung keine Chance
hat, sich aufs Lernen zu konzentrieren.

 

Mutter und Sohn

Mutter und Sohn lernen gemeinsam.


Bei etwa zwei Dritteln der Schüler, die ich betreue, habe ich es mit der Konstellation Mutter und Sohn zu tun.

Auf der gleichnamigen Unterseite werden häufige Konfliktpunkte zwischen den Beteiligten beschrieben sowie in einer Bildserie dargestellt mit dem Titel "Mutter und Sohn lernen - in vier Akten".

Fünf verschiedene Mutter-Typen werden skizziert und es wird beschrieben, wie unterschiedlich Kinder auf die Haltung ihrer Mütter reagieren.

Zahlreiche weitere Tipps und Anregungen sollen vor allem dazu dienen, dass Eltern und Kinder beim gemeinsamen Lernen erfolgreich sind und dabei mehr Freude als Frust erleben.

AD(H)S mit Online-Test


AD(H)S bei Schülern

Neben einer kritischen Beleuchtung des Begriffs „AD(H)S“ und einem alternativen ADS-Online-Test finden Sie auf der Seite ADS Erklärungen dafür, wie Kinder mit einer entsprechenden Diagnose ticken.

Es gibt noch keine wissenschaftliche Studie zu der Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Geburtsverlauf und spezifischen ADS-Symptomen gibt. Doch Befragungen zu dem Thema bei mehr als einhundert Eltern lassen mich vermuten, dass bei bestimmten Geburtsverläufen eine ADS-Diagnose mit einer signifikant höheren Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist.

Auf dieser Seite erhalten Sie auch viele Anregungen, wie Sie und Ihr Kind damit umgehen können, wenn es positiv auf ADS getestet wurde.


Hochsensible Schüler

  
    Hochsensibler Schüler

   Hochsensibilität wird oft als Modediagnose verharmlost.
   Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, vor allem aus der Neurobiologie, belegen jedoch eindeutig den engen 
   Zusammenhang zwischen Denken und Fühlen beim Lernen
.

   Die großen Stärken und Schwächen der Hochsensiblen haben eine gemeinsame Ursache: Sie fühlen
   intensiver als andere und können bzw. müssen deshalb nicht nur mehr, sondern auch stärkere
   Reize verarbeiten. Für Kreativität im weitesten Sinne ist das ein Vorteil, für die Konzentration ein Nachteil.

  Unter dem Menüpunkt Hochsensibilität Schüler erfahren Sie, was unter dem Begriff zu verstehen ist, warum
  Hochsensibilität oft nicht erkannt wird und wie man aus dem vermeintlichen Handicap eine Stärke machen kann.



Wenn Kinder sich in der Schule oder zu Hause schlecht konzentrieren können, kommen dafür viele Ursachen infrage. Hier finden Sie eine Beschreibung der Störfaktoren, die sich nach meinen Erfahrungen besonders negativ auf die Konzentrationsfähigkeit von Schülern auswirken.

Konzentrationsstörungen beim Lernen

10 Punkte, die die Konzentration von Schülern stören können

1. Konzentrationsprobleme wegen schwacher Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung

Viele Schüler können ihre körperliche, geistige und emotionale Verfassung nicht oder nur unzureichend einschätzen. Deshalb merken sie weder, wie sie sich durch ihr Verhalten auf allen drei Ebenen aus dem Gleichgewicht bringen, noch was ihre Konzentration stört und ihr Leistungsvermögen verringert. Das Wahrnehmen und Spüren eines Defizits ist jedoch Voraussetzung dafür, es beseitigen zu wollen und zu können.

Ohne eine gut funktionierende Selbstwahrnehmung können Schüler nicht erkennen, wann sie die Dinge laufen lassen können und wann es sinnvoll ist, steuernd einzugreifen. So sind sie permanent ein Spielball ihrer spontanen Reizempfindungen. Man kann ein Selbststeuerungsproblem weder willentlich herbeiführen noch loswerden. Betroffene Kinder wollen sich konzentrieren, können es aber nicht.

schülerin ohne selbstvertrauen

Kinder mit einem geringen Selbstvertrauen tun sich gewöhnlich mit der Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung besonders schwer.

Wer sich selbst nicht vertraut, neigt dazu, sich nicht wahrnehmen zu wollen.

Deshalb sollte bei diesen Kindern zunächst das Selbstvertrauen gestärkt werden, bevor an der Verbesserung der Selbstwahrnehmung gearbeitet wird.

Dieses Mädchen möchte am liebsten umkehren. Zu sich selbst und zu dem was es erwartet, hat es kein Vertrauen. Unter diesen Umständen sind Konzentrationsstörungen vorprogrammiert.

Konzentrationsproblem Nr. 1 lösen: Die vier Stärken des konzentrierten Lernens

 



2. Wie fehlendes bildhaftes Vorstellungsvermögen den Schülern das Lernen erschwert

Jeder weiß, dass die Sehstärke eines Auges zwischen null und einhundert Prozent betragen kann. Weniger bekannt ist, dass dies auch für unser inneres oder geistiges Auge gilt, mit dem wir uns Dinge bildhaft vorstellen können. Das Phänomen des fehlenden bildhaften Vorstellungsvermögens wurde erst im Jahr 1880 entdeckt und wird heute meist als Aphantasie bezeichnet. Nach Schätzungen sind etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung davon betroffen.

Wer sich Gedanken und Dinge gut bildhaft vorstellen kann, kann sich gewöhnlich nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die das nicht können. Naturgemäß können die von Aphantasie Betroffenen sich umgekehrt nicht vorstellen, was es bedeutet, sich Dinge als innere Bilder vorzustellen. Deshalb wird ihnen ihr Defizit oft erst im Erwachsenenalter bewusst.

Die Bedeutung der bildhaften Vorstellungskraft für das Lernen ist auch 140 Jahre, nachdem der Brite Francis Galton das Phänomen der Aphantasie entdeckt hatte, noch weitgehend unbekannt. Das gilt nicht nur für Eltern und Schüler, sondern wohl auch für die meisten Lehrer. Wenn das bildhafte Vorstellungsvermögen eines Schülers fehlt oder sehr schwach ist, dann ist jeder Lernakt mit einer großen Anstrengung verbunden, die irgendwann zu Konzentrationsproblemen führt. In solchen Fällen empfehle ich deren Eltern, die Lehrer des Kindes darauf anzusprechen, ob sie bereit sind, bei der Erstellung bzw. Auswahl von Unterrichtsmaterialien auf die spezifische Wahrnehmung des Kindes Rücksicht zu nehmen.

Ich kann gut nachvollziehen, dass dies den meisten Lehrern aus zeitlichen Gründen nicht möglich ist. Es überrascht mich jedoch immer wieder, dass die Lehrer, die teils von den Eltern, teils von mir selbst auf das Thema angesprochen werden, überwiegend davon ausgehen, dass es keine signifikanten Unterschiede beim bildhaften Vorstellungsvermögen des Menschen gibt. Dementsprechend fehlt dann auch die Bereitschaft und Fähigkeit, den betroffenen Schülern Brücken zu bauen, die ihnen das Lernen erleichtern und die Ursachen beseitigen könnten, die ihre Konzentration stören.

Bei Schülern, die nicht in der Lage sind, sich Dinge vor ihrem inneren Auge bildhaft vorzustellen, wird es zappenduster im Kopf, sobald sie die Augen schließen. Deshalb sind sie viel stärker von äußeren Anregungen abhängig als Schüler mit einem gut funktionierenden bildhaften Vorstellungsvermögen.

Wenn es kein inneres Heimkino gibt, dass permanent Bilder und Videos sendet, dann wendet sich die Aufmerksamkeit der betroffenen Kinder nach außen - lat.: Extraversion.

Deshalb haben extravertierte Schüler - noch mehr als introvertierte - das Gefühl, man würde ihnen den Stecker ziehen, wenn Eltern ihnen den Zugang zum Handy oder Smartphone verwehren. Sie neigen dazu, sich heftig dagegen zu wehren.

Extravertierter Schüler - von Aphantasia betroffen


Es ist keine leichte Aufgabe, das bildhafte Vorstellungsvermögen eines Kindes oder Jugendlichen zu verbessern. Bei einigen gelingt mir dies, indem ich ausdrucksstarke eigene Bilder vorgebe und die Schüler bitte, mir ihre Assoziationen dazu mitzuteilen. Zunächst tauchen in der Regel nur gedankliche Assoziationen auf. Im gelungenen Fall mischen sich irgendwann erste Bilder bei. Selbst wenn diese auch noch so schwach sind, können sie die Schüler dazu ermutigen, durch weitere Übungen schrittweise auf dem inneren Auge sehen zu lernen.

Da das menschliche Gehirn über eine ausgezeichnete Inkompetenzkompensationskompetenz verfügt – dieser treffende Ausdruck stammt von dem Philosophen Odo Marquard – können manche Menschen auch ohne bildhaftes Vorstellungsvermögen die aufgenommenen Informationen hervorragend im Gedächtnis abspeichern. Sie wären ideale Lehrer für die von Aphantasie betroffenen Schüler, sofern sie wissen, auf welche Weise ihr Gehirn das Defizit kompensiert.

Schüler, die über ein gut funktionierendes bildhaftes Vorstellungsvermögen verfügen, nutzen diese Gabe beim Lernen oft viel zu wenig. Mit der richtigen Technik könnten sie zum Beispiel viel schneller mit ihren Hausaufgaben fertig sein, oder in der Zeit, die sie darauf verwenden, viel bessere Ergebnisse erzielen. Eine falsche Technik kann dagegen die Konzentrationsprobleme beim Lernen noch verstärken. Über den „Lösungs-Link“ gelangen sie zu den Tipps und Tricks, wie das bildhafte Lernen für mehr Lernfreude und Lerneffizienz genutzt werden kann.

Konzentrationsproblem Nr. 2 lösen: Bildhaftes Vorstellungsvermögen und optimale Lerntechniken

3. Konzentrationsstörungen durch ablenkende Gedanken und innere Bilder

Kind träumt bei den Hausaufgaben

Wie soll ein Schüler sich beim Lernen konzentrieren, wenn in seinem Innern, bewusst, halbbewusst oder unbewusst kontinuierlich Gedanken- und Bildprogramme ablaufen mit zum Teil starkem Impulscharakter?

Vor ihm liegen seine schulischen Aufgaben und im Hintergrund laufen Szenen aus Filmen, Computerspielen oder was auch immer, die mit Macht um seine mentale Aufmerksamkeit ringen.

Solche Gedanken- und Bildprogramme können den Arbeitsspeicher eines Schülers so sehr belasten, dass für die im Vordergrund laufenden Programme -  das, was zu einem Zeitpunkt X erledigt werden sollte - kaum noch freie Speicherkapazitäten zur Verfügung stehen.

Beim PC würde man von einer hohen CPU-Auslastung sprechen, die in extremen Fällen zu dessen Absturz führen kann, oder die Blockaden bis hin zu einem Blackout auslösen kann, sofern es sich um ein menschliches Gehirn handelt.

Mit einem blockierten Kopf können sich Hausaufgaben stundenlang hinziehen, ohne dass dabei quantitativ und qualitativ viel herauskommt. Wenn ein Schüler in einer solchen Situation meint, er verstehe den zu schweren Stoff nicht, hat er in der Regel recht. Jedoch versteht er den Stoff meist nicht deshalb nicht, weil es ihm an Verstand mangelt, sondern an Konzentration infolge unkontrollierbarer Ablenkungen.

Innere Ablenkungen sind viel häufiger die Ursache für starke Konzentrationsstörungen beim Lernen als die meisten Eltern, Lehrer und Schüler dies für möglich halten. Das liegt daran, dass Eltern und Lehrer keinen direkten Zugang zu den Ablenkungsprozessen haben und dass die meisten Schüler selber diese nicht wahrnehmen, obwohl sie prinzipiell Zugang dazu haben. Ablenkungen schleichen sich so unauffällig über die Steuerungszentrale Gehirn an die erste Stelle der Aufmerksamkeitsausrichtung, dass die Schüler davon gewöhnlich gar nichts mitbekommen. Auf welche Weise dies die Konzentration stört, möchte ich an einem Beispiel verdeutlichen.

Ein Schüler schaut sich einen Film an, den er zunehmend langweilig findet. Dann mischt ein Techniker aus dem Off fremdes Ton- und Bildmaterial so geschickt in den laufenden Film ein, dass keine Brüche wahrgenommen genommen werden und dem Schüler der Programmwechsel zunächst nicht auffällt. Er merkt nur, dass ihn der Film plötzlich fesselt und empfängt deshalb keinen Impuls, das Programm zu wechseln. Wenn er den Wechsel irgendwann selber bemerkt oder durch andere darauf aufmerksam gemacht wird, fällt es ihm aus einem doppelten Grund schwer, den alten Faden wieder aufzunehmen: zum einen, weil er diesen durch die Ablenkung verloren hat und zum anderen, weil er keine Lust hat, ihn wieder aufzunehmen, da die Impulsstärke der Ablenkung größer ist als die der eigentlich zu erledigenden Aufgabe.

Konzentrationsproblem Nr. 3 lösen: Konzentration beim Lernen als dynamischer Prozess

4. Konzentrationsstörungen beim Lernen - verursacht durch starke Emotionen

Starke Gefühle und Empfindungen sind besonders geeignet, die Konzentration beim Lernen zu stören, da sie in uns wirken können, ohne dass wir sie bemerken, und da wir sie, selbst wenn wir sie registrieren, nur bedingt beeinflussen können. Wir sind nicht einmal in der Lage genau einzuschätzen, wie stark sie sind und wie sehr sie uns zu einem bestimmten Zeitpunkt aus der Konzentration bringen. Noch viel weniger wissen wir darüber, was Menschen, mit denen wir kommunizieren, in unserer Gegenwart fühlen und wie stark deren Gefühle im Verhältnis zu unseren eigenen sind.

Die meisten Menschen gehen davon aus, dass die Intensität der eigenen Gefühle und Empfindungen sich nicht gravierend von derjenigen anderer Personen unterscheidet. Deshalb sind sie der Meinung, es gebe eine gewisse Chancengleichheit bezüglich der prinzipiellen Fähigkeit sich zu konzentrieren. Wenn sie zum Beispiel bei einem Schüler Konzentrationsprobleme registrieren, glauben sie, diesem müsse es genauso leicht fallen, sich zu konzentrieren, wie dies für die eigene Person der Fall sei. Doch das ist ein Irrtum, vermutlich der fatalste und am weitesten verbreitete Irrtum in der modernen Pädagogik.

Symptomatisch dafür ist die an einen Schüler gerichtete Aufforderung "Du musst dich besser konzentrieren!" oder "Jetzt konzentriere dich bitte!" Auf der Unterseite Hausaufgaben... Kap. II. finden Sie eine Begründung für diese Behauptung. Dort finden Sie in den Kapiteln IV. und VI. auch verschiedene Selbst-Scann-Techniken, mit deren Hilfe Schüler genau herausfinden können, wie sie ticken und wie sie diese Informationen bei der Lösung von Konzentrationsproblemen einsetzen können.

Da es bei den für die Konzentrationsstörung verantwortlichen Ablenkungsimpulsen weniger um rationale Überlegungen geht, als um von Gefühlen und Empfindungen ausgelöste Reize, laufen Appelle an die Konzentrationsbereitschaft eines Schülers ins Leere. Taucht ein Ablenkungsimpuls mit hohen Unlust- oder Lustwerten während einer Tätigkeit auf, dann hat die Ablenkung leichtes Spiel. Die Ermahnung zu mehr Konzentration kann dann bestenfalls ein kurzes Strohfeuer der Aufmerksamkeit entfachen. Der Schuss kann aber auch noch hinten losgehen, wenn er nämlich dazu führt, dass der Schüler sich genervt fühlt und  blockiert, statt sich zu konzentrieren.

Die Intensität einer Ablenkung entspricht in der Regel der Stärke der mit ihr einhergehenden Gefühle.
Besonders Schüler mit einer hohen emotionalen Reizempfänglichkeit merken oft zu spät, wenn ihre Gefühle so stark auf ein Ereignis reagieren, dass sie völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Das gilt sowohl für angenehme wie unangenehme Gefühle wie auch für alle drei Zeitdimensionen. Die Erinnerung an schöne Erlebnisse kann ähnlich starke Gefühle auslösen wie das unmittelbar Erlebte oder das, worauf man sich freut und deshalb intensiv daran denkt. Beides kann Konzentrationsprobleme verursachen sowie bereits vorhandene verstärken.

Der Lusttyp kann so sehr in den Bann angenehmer Gefühle geraten, dass ihm zu einem gegebenen Zeitpunkt kaum Konzentrationsenergie für andere Inhalte oder Betätigungen zur Verfügung steht. Weiß ein Schüler, dass sein bester Freund bald vor der Tür steht, dann wird dieser Freund – und was er später mit ihm unternehmen wird – im Zentrum seiner Gedanken und Gefühle angekommen sein, lange, bevor dieser schließlich klingelt. Der Angsttyp kann von negativen Gefühlen, die zum Beispiel durch eine Demütigung ausgelöst wurden, so sehr im Kopf gelähmt werden, dass er nicht mehr klar denken kann, oder – wie beim Blackout – vorübergehend gar nicht mehr denken kann.

Für beide Schülertypen gilt: Konzentrationsprobleme, die durch starke Gefühle und Empfindungen ausgelöst werden, lassen sich nachhaltig nicht durch den Kopf lösen, sondern durch ein Spürbewusstsein, das sich organisch aus einer intensiven Selbstwahrnehmung entwickelt, die schnell erkennt, was die Konzentration beim Lernen stört.

Konzentrationsproblem Nr. 4 lösen: Gefühle beim Lernen wahrnehmen und bezüglich Lust/Unlust bewerten

5. Mangelnde Selbststeuerung bei physisch bedingten Konzentrationsstörungen

Die körperlichen Ursachen für Konzentrationsstörungen werden oft unterschätzt vor allem die fünf Basics Atmen, Trinken, Essen, Schlafen, Bewegen: Nach unterschiedlicher Dauer führt das Ausbleiben dieser Tätigkeiten zum Tod. Zum Glück kommt das extrem selten vor, doch hunderte von Schülern, mit denen ich gearbeitet habe, hatten Konzentrationsprobleme, für die Engpässe bei einem oder mehreren dieser fünf Punkte verantwortlich waren.

Wie schädlich eine flache Atmung für die Konzentrationsfähigkeit eines Schülers ist, habe ich unter anderem am Beispiel von
Lernblockaden und Prüfungsblockaden aufgezeigt. Doch auch Schüler, die vor dem Schulbesuch nicht frühstücken, in der Schule wenig trinken, schlecht schlafen oder sich zu wenig bewegen, können sich deshalb um einen Faktor X schlechter konzentrieren, der viel größer ist, als die meisten es sich vorstellen können. In der Addition können diese Faktoren für über 50 Prozent der Konzentrationsschwäche verantwortlich sein.

Seit Jahren steigt die Zahl meiner Schüler, die über häufige Bauch- und/oder Kopfschmerzen nach dem Aufwachen und in der Schule klagen. Wer sich körperlich unwohl fühlt, dem helfen weder die größten Anstrengungen noch die besten Konzentrationsübungen.

Oft ist den Schülern ihre schlechte körperliche Verfassung nicht bewusst. Erst wenn sie darauf angesprochen werden, realisieren sie, dass sie häufiger Schmerzen haben und ihre physische Verfassung beim Lernen grenzwertig schlecht ist. Die meisten wünschen sich nichts mehr, als daran etwas zu ändern. Doch wie wollen sie etwas verändern, was sie gar nicht wahrnehmen? Und wenn sie es schließlich wahrnehmen, stellt sich immer noch die Frage: Wie kann ich den jeweiligen körperlichen Engpass und die damit einhergehenden Konzentrationsstörungen beseitigen?

Beim Essen funktioniert das gewöhnlich, ohne dass man sich darum kümmern muss. Wenn man Hunger hat, ist fast immer etwas griffbereit, mit dem man ihn auf genussvolle Weise stillen kann. Dagegen meldet sich das Durstgefühl bei manchen erst, wenn der Körper durch Flüssigkeitsmangel bereits geschwächt ist. Vor allem nachmittags reduziert sich bei immer mehr Schülern die körperliche Bewegung zu einem großen Teil darauf, mit ihren Fingern Tastaturen oder Controller zu bedienen, weil Smartphone und PC schnellere, lustvollere und bequemere Befriedigung ermöglichen als anstrengende Bewegungen außer Haus.

Die Kombination aus wenig Bewegung und einer unstillbaren Lust auf mediale Spieleinheiten kann Schlafprobleme hervorrufen oder verstärken. Hier hilft das bloße Wissen um den Zusammenhang zwischen dem, was man tut bzw. unterlässt, ebenso wenig wie bei Problemen, die durch eine falsche Atmung verursacht werden. Ohne entsprechende Steuerungstechniken wird man seine schädlichen Gewohnheiten gegen besseres Wissens beibehalten und mit seinen Konzentrationsstörungen leben müssen.
 


Ein voller Kopf studiert nicht gern.

Konzentrationsproblem Nr. 5 lösen:  Konzentrationstechniken bei körperlichen Engpässen

6. Konzentrationsstörungen beim Lernen durch Ablenkungen und Reizüberflutung

Wie leicht ein Schüler auf äußere Ablenkungen anspricht, hängt von der Reizempfänglichkeit seiner Sinne und Emotionen ab sowie davon, ob er eher intro- oder extravertiert ist. Schüler mit einer hohen Sensibilität können durch kleinste Ablenkungen beim Lernen so starke Konzentrationsprobleme bekommen, dass sie augenblicklich keinen oder nur einen sehr eingeschränkten Zugang zu ihren Datenbanken im Gehirn haben.

Akustische Reize können sich besonders gefährlich auf die Konzentration beim Lernen auswirken. Wenn jemand Faxen macht, kann ich wegschauen, wenn es stinkt, mir die Nase zuhalten, doch gegen akustische Invasionen bin ich weitgehend machtlos. Besonders empfindsame Jungen und Mädchen können während des Unterrichts annähernd hundert Prozent ihrer Konzentrationsfähigkeit verlieren, wenn es in der Klasse laut ist, während die Konzentrationsprobleme bei weniger empfindlichen minimal sind. Nicht selten können Schüler sich um ein bis zwei Noten im Durchschnitt verbessern, wenn sie von einer lauten in eine leise Klasse versetzt werden.

 Ablenkungen durch Störgeräusche


Auch bei den Hausaufgaben können Betroffene leicht abgelenkt werden, wenn zum Beispiel der Bruder herumtobt oder die Schwester Blockflöte übt.

Eine Schülerin, die eine Konzentrationsübung bei mir durchführte, bat mich, die Uhr in dem Raum zu entfernen, weil sie sich sonst nicht konzentrieren könne. Ich tat ihr den Gefallen, obwohl ich selber die Uhr gar nicht wahrgenommen hatte.

Manche Menschen nehmen akustische Reize um ein Vielfaches stärker wahr als andere. Wenn jemand, der weniger geräuschempfindlich ist, ihnen sagt, sie sollten sie einfach ignorieren, so ist das blanker Hohn. Ab einer gewissen Stärke lassen sich Störgeräusche nicht mehr ausblenden. Dann sollte man versuchen, sie auszuschalten oder zumindest abzuschwächen.

Letzteres kann durch das Einüben bestimmter Mental- und Atemtechniken bewerkstelligt werden.

Wie der Name schon sagt, sind die Empfangsantennen der extravertierten Schüler mehr nach außen als nach innen ausgerichtet. Bei den meisten liegt der Grund für die Außenausrichtung darin, dass sie für das Wahrnehmen innerer Bilder Impulse von außen brauchen. Sie können nicht jederzeit ihr Heimkino einschalten, wenn draußen nichts los ist und sind deshalb besonders abhängig von dem, was in ihrer Umgebung geschieht. Manche Menschen haben überhaupt kein bildhaftes Vorstellungsvermögen. Sie leiden unter Aphantasie.

Während der introvertierte Schüler sich bei akustischer Verseuchung in sein inneres Heimkino zurückzieht, verliert der extravertierte sich im Außen. Beides bedeutet Steuerungsverlust bezüglich der Aufmerksamkeit und stört die Konzentration.

Jeder Erwachsene kennt die Erfahrung, dass Dinge, die unter gewöhnlichen Umständen leicht gelingen, schwierig werden können, sobald man einer Vielzahl von intensiven Reizen ausgesetzt ist. Dies gilt für innere Reize, die durch Gedanken und Bilder ausgelöst werden, wie auch für äußere Reize, die über die Sinnesorgane wahrgenommen werden oder von anderen Personen auf uns einwirken wie etwa bei Störgeräuschen oder Mobbing. Bei Hochsensiblen kann ein einziger starker Reiz ausreichen, um die Konzentration von der Sache abzulenken, die zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigt werden sollte.

Zu den gefährlichsten inneren Ablenkungsimpulsen zählen negative Gedanken, die das Selbstwertgefühl infrage stellen. Sie sind besonders starke Energie- und Konzentrationsräuber, weil sie eine chronische Flut von Reizen auslösen, die dann dazu führen, dass ein paar zusätzliche und an sich harmlose Reize, das Fass zum Überlaufen bringen können. Beim Lusttyp hingegen geht die größte Ablenkungsgefahr von schönen Gedanken und inneren Bildern aus. Insbesondere wenn Schüler die Ablenkungsimpulse nicht bewusst wahrnehmen, sind sie den daraus resultierenden Konzentrationsstörungen schutzlos ausgeliefert.

Bei mentalen Blockaden-Rekonstruktionen frage ich Schüler routinemäßig, was sich in den Stunden davor zugetragen hat. Häufig berichten sie davon, dass sie während einer Schulpause gekränkt oder gedemütigt worden waren und danach keinen klaren Gedanken mehr fassen konnten. Andere erzählen, dass sie vor einer Klassenarbeit in der letzten Stunde den ganzen Tag an ihren bevorstehenden Geburtstag gedacht und ihn sich in den schönsten Farben ausgemalt hatten. Starke Lust- und Unlustimpulse sind gleichermaßen geeignet, die Konzentration beim Lernen zu stören.

Konzentrationsproblem Nr. 6 lösen: Bessere Konzentration durch smarten Umgang mit Ablenkungsimpulsen und Reizüberflutung

7. Multitasking provoziert Konzentrationsstörungen beim Lernen

Kinder sind selten in der Lage, mehrere Aufgaben gleichzeitig und gleich gut zu erledigen. Das liegt zum einen an der relativ hohen Reizempfänglichkeit und zum anderen an der fehlenden Erfahrung bezüglich der Aufteilung ihrer Aufmerksamkeit auf verschiedene Aufgaben. Multitasking fällt Schülern besonders schwer, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind:

  • Der passende Fokussierungswinkel für die einzelnen Tätigkeiten differiert um mehr als 180 Grad. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn jemand gleichzeitig seine Lieblingsserie verfolgen und dabei schwierige Mathematikaufgaben lösen möchte. Ersteres würde mit einem Streubewusstsein von über 300 Grad funktionieren, während für die zweite Tätigkeit ein Fokussierungswinkel von unter 30 Grad angemessen wäre.

  • Der Fokussierungswinkel liegt für beide Tätigkeiten bei unter 30 Grad. Ein Klassenkamerad erklärt während des Unterrichts, wo man sich am Nachmittag trifft, wie man dorthin kommt und was jeder mitbringen soll. Gleichzeitig gibt die Deutschlehrerin bekannt, welche Themen in der nächsten Klassenarbeit vorkommen. Hier würden beide Tätigkeiten einen hohen Fokussierungsgrad, das heißt einen kleinen Winkel erfordern.

  • Der Schüler hat so viel um die Ohren, dass eine winzige zusätzliche Aufgabe seine Konzentrationsenergie überfordern kann.

  • Das gilt auch für den Fall, dass er zu viel zwischen den Ohren hat, ihm also so viele Dinge durch den Kopf gehen, dass er für komplexe Aufgaben chronisch überfordert ist. Ein extrem hohes Gedankenaufkommen ist eine klassische Ursache für Konzentrationsstörungen.
  • Auf Schüler in der Pubertät treffen oft alle vier Punkte zu. Wegen der rapiden Veränderungen auf körperlicher, mentaler und emotionaler Ebene, die sie zu bewältigen haben, sind sie manchmal ähnlich absturzgefährdet wie ein PC, dessen CPU-Auslastung grenzwertig ist.

In einem Artikel aus der Wochenzeitschrift Die Zeit werden verschiedene Studien zitiert, die zu dem Ergebnis kommen, dass Multitasking die Konzentrationsleistung verringert und Stress erzeugt, sofern zwei Aufgaben gleichzeitig erledigt werden sollen, die eine hohe Aufmerksamkeit erfordern.

Konzentrationsproblem Nr. 7 lösen: Multitasking provoziert Konzentrationsstörungen beim Lernen

8. Konzentrationsstörungen durch fehlende Motivation beim Lernen

Zur Lernmotivation tragen alle Kräfte bei, die uns dazu bewegen, etwas zu lernen – lateinisch movere = bewegen. Diese Bewegung fällt den Schülern um so leichter, je mehr der Lerngegenstand sie interessiert und einen Lustgewinn verspricht. Das gilt zum Beispiel für besonders beliebte Computerspiele. Während Schüler sich damit beschäftigen, ist sowohl die Lernmenge als auch die Qualität ihres Lernens meist um ein Vielfaches höher als beim schulischen Lernen. Die Freude an der Tätigkeit ist der Motor, der den Schüler beim Spielen in Bewegung bringt und hält. Wenn man mit Unlust lernt, fehlt der Motor und muss durch andere Triebkräfte ersetzt werden, damit sich beim Lernen etwas bewegt.

Bei den meisten Schülern ist durchaus eine gewisse Grundmotivation in Bezug auf das schulische Lernen vorhanden, die teils auf dem Interesse für bestimmte Themen basiert, teils auf ihrer Einsicht, dass eine gute schulische Ausbildung die Chancen erhöht, später einen Beruf auszuüben, den man mag und der genug Geld einbringt, um wirtschaftlich unabhängig leben zu können.

Diese Grundmotivation reicht in der Schule nicht aus. Es gibt in den meisten Fächern viele Aufgaben, die eine spezifische Motivation für bestimmte Themen voraussetzen. Und da die meisten Schüler sich für viele in der Schule behandelten Themen kaum interessieren oder mit der Art, wie ihre Lehrer sie vermitteln, nicht klarkommen, müssen die Schüler die fehlende Motorkraft beim Lernen durch eigene Anstrengungen ersetzen. Das kostet enorm viel Energie, führt schnell zur Ermüdung und setzt eine Fluchtbewegung in Kraft, die zum Trödeln verleitet oder zum schnellen Umstieg in eine Beschäftigung, die Freude bereitet. Je geringer die Eigenmotivation eines Schülers ist, desto anfälliger wird er für Konzentrationsstörungen.

Viele Eltern beklagen sich darüber, dass ihr Kind zu wenig Eigenmotivation habe, auch intrinsische Motivation genannt. Ist diese gering, dann muss der Schüler angeschoben werden, damit er sich bewegt, ähnlich wie ein Auto, bei dem die Zündung defekt ist. Während man beim Auto das Anschubproblem durch den Einbau neuer Zündkerzen mit geringem Aufwand lösen kann, kostet es die Eltern viel Kraft und Geduld, wenn Sie ihr Kind immer wieder mit gutem Zureden oder Drohungen zum Lernen antreiben müssen. Irgendwann stellen sie resigniert fest, dass sie eine Sisyphusarbeit verrichten, da ihre Eingriffe von außen die innere Motivation auf Dauer mehr schwächen als stärken.

Konzentrationsproblem Nr. 8 lösen: Nichts fördert die Konzentration mehr als eine starke Eigenmotivation

9. Ineffiziente Lernorganisation verhindert konzentriertes Lernen

Dieser Mangel ist bei dem von mir als Lusttyp bezeichneten Schüler besonders verbreitet, der das schulische Lernen zu vermeiden sucht, wo immer das möglich ist. Er fragt sich, warum er etwas organisieren sollte, was er hasst, und beschäftigt sich deshalb lieber mit Vermeidungsstrategien als mit Anwendungstechniken.
Da der Lusttyp zudem ein exzellenter Verdrängungskünstler ist, wird ihm gar nicht erst bewusst, wie sehr er sich gegen etwas wehrt, was gerade er am dringendsten gebrauchen könnte, nämlich Lernorganisation.

So sieht nicht selten ein Tag im Leben eines Schülers aus, für den Lernorganisation ein rotes Tuch ist:

… morgens auf dem letzten Drücker aufstehen … ohne Frühstück und ohne Schultasche, in der alles drin ist, was er an dem Tag braucht, macht er sich auf den Schulweg … weil er müde ist, kommt er in den ersten beiden Schulstunden nicht in die Gänge … er macht sich während des Unterrichts kaum oder gar keine Notizen, ausgeteilte Arbeitsblätter werden an Ort und Stelle entsorgt oder ungeordnet in die Schultasche gestopft … die aufgegebenen Hausaufgaben werden ebenso wenig aufgeschrieben wie hilfreiche Tipps, die ein Lehrer vor anstehenden Klassenarbeiten gibt … wenn ihn mal was interessiert, hört er gelegentlich zu, stellt aber so gut wie nie Fragen, wenn er etwas nicht versteht … in den letzten Stunden ist er ähnlich erschöpft wie Mitschüler, die aufmerksam dem Unterrichtsgeschehen gefolgt sind, schließlich kostet es auch Anstrengung, sich so smart durch den Unterricht zu mogeln wie er das tut …
… mit viel Lusthunger kommt er nach Hause, schließlich wurde seine Lust während des Unterrichts durch die Anwesenheit der Lehrer ausgebremst … schnell was essen … dann Fernseher, PC oder Smartphone … irgendwann mahnt jemand die Hausaufgaben an … schnell und schluderig wird das erledigt, woran er sich noch erinnern kann, planlos und ohne Struktur … Aufforderungen Dritter, mehr zu lernen oder Aufgaben zu verbessern, werden abgeschmettert mit dem Hinweis, dass das Erledigte völlig ausreicht … abends verspürt er mehr Tatendrang als am Tag und tut sich mit dem Einschlafen schwer … wenig und/oder unruhiger Schlaf … morgens auf dem letzten Drücker aufstehen …

Aus den Augen aus dem Sinn! – Ein Beispiel dafür, wie eine schlechte Lernorganisation konzentriertes Lernen sabotieren kann

Es gibt bei der Lernorganisation einen fatalen Fehler, der bei den Schülern weit verbreitet ist und der allein darüber entscheiden kann, wie gut ein Schüler seine Hausaufgaben erledigt oder wie gut er sich auf Klassenarbeiten und sonstige Prüfungen vorbereiten kann. Es handelt sich um den Wettbewerbsvorteil, den besonders Kinder und Jugendliche den lustbetonten Beschäftigungen gegenüber den mit Unlust verbundenen einräumen.

Sieht man sich in ihrem Zimmern um, fällt sofort auf, dass ihr Schreibtisch und dessen unmittelbare Umgebung nach dem Prinzip eingerichtet ist: Alles, was mir Spaß macht, ist mit einem Griff erreichbar und sofort einsetzbar und alles, was mich langweilt oder nervt, wird möglichst aus dem unmittelbaren Blickfeld entfernt und erfordert vorbereitende Handlungen, bis mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden kann.

Um frisch eingegangene WhatsApp-Nachrichten zu sichten, braucht der Schüler keine fünf Sekunden, während fünf Minuten nicht ausreichen, um das Deutsch-Englisch- oder Mathebuch zu suchen, die passenden Seiten aufzuschlagen, die tagesaktuell zu erledigenden Aufgaben herauszusuchen und die Stelle zu finden, mit der er sofort beginnen kann. Während eine effiziente Lernorganisation die Konzentration fördert, wird diese durch eine planlose Herangehensweise gestört.

Besonders für den Lusttyp resultiert daraus ein doppelter Wettbewerbsnachteil für die zu erledigenden Pflichtaufgaben: Warum denn in die böse Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah ist? Zum Glück gilt auch das Gegenteil der oben zitierten Worte der Margarete in Goethes Faust: Im Auge im Sinn!

Konzentrationsproblem Nr. 9 lösen: Wie eine effiziente Lernorganisation das Konzentrieren beim Lernen fördert

10. Konzentrationsstörungen durch schlechtes Lernklima

Ob Lernen Spaß macht und gut gelingt, hängt entscheidend davon ab, wo, wann und mit wem gelernt wird. Ein lauter, unaufgeräumter, schlecht gelüfteter, dunkler Raum bremst die Lernlust und stört das konzentrierte Lernen.

Wenn der Schüler zum Zeitpunkt des Lernens Schmerzen hat oder müde ist, wenn er währenddessen etwas verpasst, was ihm besonders viel bedeutet, und er deshalb stark abgelenkt ist, dann leidet unter der schlechten Zeitqualität auch die Qualität des Lernens.

Manche Schüler können am besten lernen, wenn sie allein sind, andere, wenn jemand dabei ist. Sobald eine weitere Person im Lernraum anwesend ist, beeinflusst sie das Lernen, unabhängig davon, ob sie sich unmittelbar daran beteiligt. Sie bringt entweder frischen Wind in den Raum oder sorgt für dicke Luft. Während des Schulunterrichts sind die Räume, Zeiten und beteiligten Personen relativ konstant und deshalb nur schwer zu beeinflussen.

Doch auch hier sind die Schüler den äußeren Umständen nicht ohnmächtig ausgeliefert. Unter Punkt 10 der folgenden Seite beschreibe ich eine Methode zur Verbesserung des Lernklimas beim häuslichen Lernen, die teilweise auf den Schulunterricht übertragbar ist.

Viel größer sind die Einflussmöglichkeiten beim häuslichen Lernen. Das gilt sowohl für den Lernort als auch für Dritte, die das Lernen begleiten und/oder kontrollieren. In der Regel sind dies die Eltern. Wenn sie sich unmittelbar am nachmittäglichen Lernen ihres Kindes beteiligen, dann haben sie oft mindestens so viel Einfluss auf das Lernklima und die Lerneffizienz wie der Schüler selbst. Sofern sie die Faktoren kennen, die für die Konzentrationsprobleme ihres Kindes verantwortlich sind, können sie ihrem Kind dabei helfen, alles aufzulösen oder zumindest zu verringern, was die Konzentration stört.

 Vater schimpft mit Sohn wegen Schulaufgaben

Durch ihre Stimme, Gestik und Mimik nehmen die Lehrer in der Schule sowie Eltern, die ihre Kinder beim häuslichen Lernen begleiten, einen oft unterschätzten Einfluss auf das Lernklima und damit auch auf die Lerneffizienz.

Wenn Eltern sich beim gemeinsamen Lernen über ihre Kinder aufregen, sollten sie sich nach Möglichkeit eine kleine Auszeit nehmen, statt ihre negativen Emotionen in Gegenwart des Kindes ungefiltert zum Ausdruck zu bringen.

Streit Mutter Tochter beim Lernen

Konzentrationsproblem Nr 10 lösen: Ein gutes Lernklima fördert die Konzentration beim Lernen


Was fördert die Konzentration beim Lernen?

Hier finden Sie zahlreiche Hinweise und Tipps, wie Eltern und Lehrer sowie die Schüler selbst ihre Konzentration fördern können, im Unterricht, bei den Hausaufgaben und im alltäglichen Leben. Die zehn Punkte beziehen sich auf die unter "Was stört die Konzentration?" aufgeführten Ursachen für Konzentrationsprobleme.

1. Die vier Stärken des konzentrierten Lernens:

Selbstvertrauen, Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeitserwartung und Selbststeuerung

Wenn ein Kind kein Selbstvertrauen hat, will es sich selbst nicht wahrnehmen, weil ein Leben ohne Selbstvertrauen weh tut. Ohne sich selbst wahrzunehmen, kann es sich nicht selbst steuern. Es wird zum Spielball innerer und äußerer Kräfte, die seine Steuerung für es übernehmen. Konzentration ist ein Akt der Selbststeuerung, bei dem der gesamte Organismus sich in den Dienst einer Aufgabe stellt, die jetzt, in diesem Augenblick erledigt wird. Bei allem, was ein Mensch tut, entscheidet vor allem seine Konzentration darüber, wie gut ihm dies gelingt. Deshalb sind Fördermaßnahmen zur Verbesserung der Konzentration so wichtig.

Ein Schüler, der sich für einen längeren Zeitraum auf bestimmte Lerninhalte konzentrieren möchte, verbraucht dabei Konzentrationsenergie. Die Höhe des Verbrauchs hängt vor allem vom Schwierigkeitsgrad der Aufgabe ab und von der Lustmenge, die bei der Erledigung freigesetzt wird. Je mehr sich der Konzentrations-Energietank leert, desto unkonzentrierter wird der Schüler. Die Lerneffizienz sinkt, die Fehlerquote steigt und mit ihr der Frust. Was nun passiert, hängt entscheidend davon ab, wie gut der Schüler sich selbst wahrnehmen kann.

Schüler, die sich gut konzentrieren können, verfügen über eine innere App, auf der sie sich jederzeit über den aktuellen Zustand der eigenen Kräfte informieren können, die über eine hohe oder niedrige Konzentration entscheiden. Sie sind in der Lage, ihre mentale, emotionale und physische Situation jederzeit zu scannen, das heißt, sich selbst wahrzunehmen.

Unerwünschte innere und äußere Ablenkungen, die während des Lernens anklopfen und um Aufmerksamkeit betteln, entgehen dem Schüler ebenso wenig wie Lernblockaden und Prüfungsblockaden oder Denkblockaden, die durch starke Gefühle ausgelöst werden, sowie eine immer flacher werdende Atmung, durch die sich der Sauerstofftank leert und damit auch der Energietank. Die smarte Selbstwahrnehmung flüstert ihnen ins Ohr, wann sie eine Pause machen sollten und wie sie sich dabei schnell regenerieren können. Auf ihrer App werden sie anschließend verbesserte Konzentrationswerte registrieren.

Das für ihr Denken und Handeln entscheidende Wissen beziehen sie weniger aus Lehrbüchern als aus einem fließenden Spürbewusstsein, das es ermöglicht, sich selbst jederzeit so wahrzunehmen, wie man ist, um auf dieser realen Basis optimale Entscheidungen zu treffen. Sie haben gelernt, bei sich zu bleiben und zu registrieren, wenn sie woanders sind, lateinisch: alibi, um dann wieder zu sich zurückkehren zu können. Dies ist eines der besten Mittel, um die Konzentration beim Lernen autonom zu fördern und zu stärken.

Eltern können viel dazu beitragen, dass ihre Kinder früh lernen, sich selbst wahrzunehmen und steuern zu können. Indem sie erkennen, dass ein stabiles Selbstvertrauen zu den vier Kraftquellen zählt, aus denen sich der Fluss des konzentrierten Lernens in jeder Sekunde speist, werden sie alles in ihrer Macht Stehende tun, um dieses Vertrauen zu stärken. Auf diese Weise helfen sie ihrem Kind, eine starke Selbstwirksamkeitserwartung zu entwickeln, auch Resilienz genannt. Schüler mit einer hohen Selbstwirksamkeitserwartung sind eher in der Lage, schwierige und unangenehme Aufgaben zu erledigen, da sie fest daran glauben, die Aufgabe auch bewältigen zu können. Das erklärt, warum sie sich besser konzentrieren können als ihre Mitschüler.

Wenn nun starke Ablenkungsimpulse bei einem Schüler anklopfen, um vorübergehend die Regie für seine Gedanken, inneren Bilder und Handlungen zu übernehmen, dann verfügt er über noch stärkere Instrumente, die es ihm ermöglichen, bei der vorliegenden Sache zu bleiben. Zu den Stärken Selbstvertrauen, Selbstwahrnehmung und Selbstwirksamkeitserwartung gesellt sich eine vierte hinzu: die Selbststeuerung. Sie ist die exekutive Instanz, die darüber entscheidet, ob der Schüler die begonnene Aufgabe fortsetzt oder dem Rufen und Winken der "Ablenkungsgespenster" nachgibt.

Wenn Sie als Eltern ihrem Kind unmittelbar oder über Dritte helfen, diese Stärken zu entwickeln und auszubauen, haben Sie keinen Grund mehr, sich über dessen Zukunft Sorgen zu machen. Sofern Sie von der Bedeutung der vier Stärken des konzentrierten Lernens überzeugt sind, werden Sie - wenn ihr Kind auch noch so viele Fehler macht -  den Blick für das, was es gut macht, nicht verlieren. Sie werden der Lösungsebene mehr Aufmerksamkeit schenken als der Problemebene. Und wenn sie Ihr Kind immer öfter voll von Vertrauen und Zuversicht anschauen, wird es spüren, dass es gewollt ist, dass es gut ist und dass es alles kann, was für sein Leben wichtig ist.

2. Bildhaftes Vorstellungsvermögen und optimale Lerntechniken

So checken Sie innerhalb von einer Minute, wie gut das bildhafte Vorstellungsvermögen Ihres Kindes funktioniert.

Lesen Sie Ihrem Kind in einer entspannten Umgebung den folgenden Text vor:

Test bildhaftes Vorstellungsvermögen           Bild von kie-ker auf Pixabay

Text:
Ich blicke auf eine Sommerwiese und sehe einen Schmetterling, der über Gras und Blumen flattert.
In alle Richtungen schaukelt ihn der Wind hin und her.
In der strahlenden Mittagssonne schimmern die leuchtenden Farben seiner Flügel.
Plötzlich steuert er gezielt auf eine Blume zu, landet in eine ihrer verführerischen Blüten und beginnt sofort damit, vom Nektar zu saugen.

Nachdem Sie den Text vorgelesen haben, fragen Sie Ihr Kind, wie es die kurze Geschichte wahrgenommen hat.
A nur als Text
B als Bildfolge
C wie ein kleines Video
D als eine Kombination aus Standbildern und bewegten Bildern
Sie können gern auch einen eigenen Text sprechen, der für die Übung geeignet wäre.


Die Antwort A könnte bedeuten, dass Ihr Kind über kein bildhaftes Vorstellungsvermögen verfügt, das heißt von Aphantasie betroffen ist. Um sicherzugehen, sollte man den Test wiederholen, an einem anderen Tag und mit einem anderen Vorleser. Sofern das bildhafte Vorstellungsvermögen nicht therapeutisch behandelt und verbessert werden kann, sollten beim Lernen andere Sinne kompensatorisch eingesetzt werden.

Wenn das innere Auge als Orientierungs- und Speicherinstrument ausfällt, übernehmen die Ohren häufig dessen Job. Beim Lernen von Vokabeln könnte der akustische Lerntyp die zu lernenden Wörter zum Beispiel dreimal hintereinander schnell, laut und deutlich aussprechen. Der haptische Lerntyp sollte sich angewöhnen, sie zum Beispiel dreimal aufzuschreiben.

Für die Qualität der Abspeicherung ist in beiden Fällen jedoch die Konzentrationsstärke zum Zeitpunkt der Einspeicherung von Informationen im Gehirn entscheidend. Ein tiefer entspannter Atemzug unmittelbar vor der Abspeicherung kann hier Wunder wirken.

Bei den Antworten B, C oder D unterscheiden sich die empfehlenswerten Lerntechniken nur graduell. Zur Veranschaulichung eignet sich auch hier das Vokabeln-Lernen, wie das folgende Beispiel zeigt:

In meiner Praxis wird traditionell Tee in Teeschalen serviert. Wenn Schüler sich schwer damit tun, Vokabeln im Fach Französisch zu lernen, demonstriere ich gern, wie man sich die Vokabel boire dans un verre = aus einem Glas trinken leicht einprägen kann. Ich führe eine halb gefüllte Teeschale mit beiden Händen zu Mund und kippe sie beim Leeren so weit nach oben, dass mein halber Kopf dahinter verschwindet. Das sieht dann so aus, als hätte ich nicht aus, sondern in der Teeschale getrunken und genau so lautet die wörtliche Übersetzung von boire dans un ver: in einem Glas trinken.

Der bildhafte Lerntyp dürfte diese Vokabel sein Leben lang nicht vergessen, wenn die Demonstration in einer entspannten Atmosphäre erfolgte. Das gilt für beide Varianten der Abspeicherung, als Bild- wie auch als Videodatei. Wenn ich Schüler Wochen nach der Teeschalen-Demo fragte, wie sie die Szene abgespeichert haben, wird die Bild- häufiger als die Videovariante genannt. Ersteren empfehle ich dann, beim Vokabeln-Lernen die Wörter in eine Bilddatei zu konvertieren und letzteren in einen kurzen Videoclip.

Bei der Teeschalen-Demo reichen Millisekunden aus, um den Vorgang zu veranschaulichen. Entscheidend ist der Faktor Bewegung. Schüler, die die Eigenschaften des visuellen und des kinetischen Lerntyps in sich vereinen, sollten beim Lernen Videodateien verwenden, wann immer das möglich ist. Sobald sie feststellen, dass ihnen das Lernen leichter fällt und besser gelingt, wird sich das auch förderlich auf ihre Konzentration beim Lernen auswirken. Den Begriff kinetischer Lerntyp verwende ich, wenn jemand sich einen Gegenstand der visuellen Wahrnehmung besser merken kann, sofern sich dieser in Bewegung befindet oder als bewegt vorgestellt wird. Ich erwähne dies, weil der Begriff mir in der Psychologie oder Lernpädagogik bisher nicht begegnet ist und deshalb leicht mit dem kinästhetischen Lerntyp verwechselt werden könnte. 

Wenn Sie genau wissen wollen, welche Lerntechnik für Ihr Kind die beste ist, dann empfehle ich Ihnen, sich nicht auf Tests und Tipps von Dritten zu verlassen, mich selbst eingeschlossen. Experimentieren Sie mit Ihrem Kind, testen Sie selbst ausgiebig verschiedene Lerntechniken, machen Sie sich Notizen, vergleichen Sie die Ergebnisse, zeigen Sie sie Ihrem Kind und versuchen Sie es davon zu überzeugen, die für es ganz persönlich am besten geeigneten Lerntechniken immer häufiger anzuwenden. So können Sie als Eltern viel dazu beitragen, die Konzentration Ihres Kindes beim Lernen zu stärken.


3. Konzentration beim Lernen als dynamischer Prozess

Von der Selbstbeobachtung zur Selbststeuerung

Wenn ich mit Schülern Übungen zur Beobachtung ihrer Gedanken und inneren Bilder durchführe, sind die meisten erstaunt darüber, welche Prozesse in ihren Köpfen ablaufen und vor allem, dass man diese jederzeit beobachten kann, sobald man hinschaut. Natürlich laufen die Prozesse auch dann ab, wenn man nicht hinschaut und können dann ungehindert schalten und walten, wie sie wollen.

Von den dreißig bis sechzigtausend Gedanken, die uns nach Schätzungen von Hirnforschern täglich durch den Kopf gehen, erreichen bzw. überschreiten nur wenige die Schwelle zum Bewusstsein. Bei Übungen zur Gedankenbeobachtung, die bei der Selbstbeobachtung eine zentrale Rolle spielen, erhöht sich nicht nur die Quote der wahrgenommenen Gedanken, sondern auch deren Qualität. Beim entspannten Liegen öffnet sich das Tor zum Unbewussten und macht uns empfänglich für Informationen, die uns ohne den Beobachtungsstatus nie erreicht hätten.

Je besser ein Schüler die Selbstbeobachtungstechniken beherrscht, desto mehr Probleme werden ihm bewusst aber auch desto mehr Lösungen werden ihm präsentiert. Und er bekommt zunehmend ein besseres Gefühl dafür, welche Entscheidungen ihm in einem größeren Zusammenhang guttun, das heißt auf lange Sicht.

In dem Augenblick, in dem die Entscheidungsmöglichkeiten mit ihren potenziellen Auswirkungen auf unser Leben bewusst wahrgenommen werden, ist bereits der erste Schritt in Richtung Gedankensteuerung getan. Nun haben wir nämlich die Möglichkeit zu entscheiden, welchem Vorgang Jetzt! Priorität eingeräumt wird. Allein reicht dieser Schritt jedoch noch nicht aus.

Erst wenn als zweiter Schritt die Entscheidungsfrage in den Fokus rückt: „To be here, or to be there“ – kann der dritte und letztlich entscheidende Schritt in Angriff genommen werden: Die Umgewichtung der Lust/Unlust-Verteilung, die darüber entscheidet, ob man mit seinen Gedanken dort ist, wo man sich gerade befindet, oder anderswo – lateinisch: alibi. Mehr Informationen und Übungen dazu finden Sie unten unter Punkt 6. a-c. sowie auf meiner Website gewahrsein.net.

Sofern seine physische Verfassung konzentriertes Lernen erschwert oder verhindert, kann der betroffene Schüler sich auch selber helfen, indem er ein Spürbewusstsein entwickelt, das es ihm ermöglicht, seine körperliche Verfassung zu checken und positiv darauf einzuwirken. Ohne dieses Spürbewusstsein müsste er von außen immer wieder daran erinnert werden – eine lästige Sisyphusarbeit, die meist von den Eltern erledigt werden muss.
Von zahlreichen Übungen, die dafür in Betracht kommen, hat sich diese dafür besonders bewährt:

Übung: Mit Spürbewusstsein den eigenen Körper scannen

Der Schüler liegt entspannt auf dem Rücken und konzentriert seine Wahrnehmung etwa fünf Minuten nacheinander auf die Organe Bauch, Herz und Kopf. In einem zweiten Durchgang fokussiert er sein Bewusstsein fünf Minuten lang auf das Organ, das er am intensivsten spüren konnte. Ideal ist, wenn ihn jemand bei seiner Sitzung begleitet und seine Beobachtungen aufschreibt.

Sobald das Kind in der Lage ist, seine Wahrnehmung im Liegen auf einzelne Körperteile zu fokussieren, kann es damit beginnen, sein Spürbewusstsein in bestimmten Situationen auf einzelne Organe auszurichten, die sich nicht gut anfühlen oder sogar weh tun. Um ein bestimmtes Organ oder Körperteil in einen besseren energetischen Zustand zu bringen, begibt sich der Schüler wieder entspannt in die Rückenlage, legt beide Hände auf die betreffende Stelle und macht dabei tiefe, entspannte Atemzüge, bis sich das Organ spürbar besser anfühlt.

Besonders während der Pubertät empfangen Kinder und Jugendliche oft gleichzeitig völlig konträre Impulse.

Da sie diese Impulse weder willentlich herbeiführen, noch steuern können, fühlt es sich für sie manchmal so an, als würden ein Engel und ein Teufel ihnen gleichzeitig etwas ins Ohr flüstern.

Die Kids wissen in solchen Augenblicken nicht, was richtig oder falsch ist. Wenn sie unter Handlungsdruck stehen, ohne zu wissen, was sie tun sollen, verkriechen sich die einen unter der Bettdecke, während die anderen ihre Aggressionen nach außen abreagieren.

Dann müssen schon mal Gegenstände dran glauben, oder andere Menschen werden verletzt, nicht selten diejenigen, die die Kinder am meisten lieben.

Wenn Kinder und Jugendliche ihren inneren Stimmen in einer entspannten Situation Gehör schenken und gleichzeitig auf der mentalen, physischen sowie psychischen Ebene spüren können, was die Handlungsimpulse mit ihnen machen, dann lösen sich die Konflikte innerhalb von Leib und Seele des Betroffenen und müssen nicht mehr aggressiv nach außen abreagiert werden.

Selbstzweifel - Teilpersönlichkeiten Engel und Teufel

Wenn ein Schüler das Spürbewusstsein zu Hause trainiert hat, kann er damit beginnen, es immer öfter auch außer Haus einzusetzen, zum Beispiel wenn er sich in der Schule unwohl fühlt, wenn er seine Freizeit nicht richtig genießen kann, oder wenn er sich im Leistungssport nicht gut motivieren und konzentrieren kann.

4. Gefühle beim Lernen wahrnehmen und bezüglich Lust/Unlust einschätzen

Ohne Gefühle fiele uns das Konzentrieren leichter, doch hätten wir dann überhaupt noch Lust, uns auf irgendetwas zu konzentrieren?

Es gibt viele Methoden, sich seiner Gefühle beim Lernen bewusst werden zu können. Die einfachste besteht darin, in einer entspannten Verfassung seine Gedanken und inneren Bilder zu beobachten, zu benennen und dann einzuschätzen, mit wie viel Lust oder Unlust sie verbunden sind. Je nachdem, wie sehr man die eigenen Gefühle differenzieren kann, sollte man dafür eine Skala zwischen minus drei und plus drei oder zwischen minus zehn und plus zehn verwenden.

Die folgende einfache Übung, kann allein oder mit einer vertrauten Person durchgeführt werden, wahlweise auf einem Kissen oder in einer entspannten Rückenlage. Ich empfehle, verschiedene Varianten auszuprobieren und diejenige für Wiederholungen auszuwählen, die am besten funktioniert hat.

Übung: Die eigenen Gedanken und inneren Bilder scannen

In ruhiger Umgebung und einer stressfreien Situation achtet man entspannt darauf, womit sich der eigene Geist gerade beschäftigt. Man sollte dabei nicht aktiv nachdenken, sondern wie eine Antenne einfach nur empfangsbereit sein, für Gedanke und/oder Bilder, die sich von selbst zeigen.

Sobald man Gedanken oder Bilder wahrnimmt, beschreibt man diese – wahlweise laut oder nur innerlich - in Form eines kurzen Kommentars, zum Beispiel: Ich denke gerade an den Kindergeburtstag meiner besten Freundin am nächsten Wochenende. Dann bewertet man die Gedanken/Bilder auf einer Lust/Unlust-Skala von plus 3 bis minus 3.

Falls eine vertraute Person bei der Übung anwesend ist, sollte sie die Stichpunkte und Werte notieren. Trägt man diese Werte in eine Grafik ein, zeigt sich häufig, dass innerhalb weniger Minuten oder Sekunden hohe Plus- und Minuswerte aufeinander folgen.

Wenn man diese Übung über einen Zeitraum von einem halben Jahr ein- oder zweimal im Monat praktiziert, ist man bald in der Lage, seine emotionale Verfassung auch in der Hektik des Alltags zu checken. Man kann sie dann quasi an seinem „Emometer“ ablesen und auf diese Weise mehr Spielraum gewinnen bei Entscheidungen, die spontan getroffenen werden müssen. Wer seine Gefühle ausbalancieren kann, fördert und stärkt damit auch seine Konzentration beim Lernen.

Unter Punkt 6a-c erfahren Sie, wie an konkreten Beispielen, wie dieser Spielraum genutzt werden kann.

5. Konzentrationstechniken bei körperlichen Engpässen

Das körperliche Wohlbefinden ist eine elementare Voraussetzung für gute Leistungen in allen Lebensbereichen. Ohne die weiter unten beschriebenen fünf Basics stoßen sämtliche mentale Techniken für eine bessere Konzentration schnell an ihre Grenzen.

Ich habe Eltern erlebt, die graue Haare bei dem Versuch bekommen haben, ihren Kindern diese Basics beizubringen. Es gibt einen Grund dafür, warum eine so einfach erscheinende Aufgabe sehr schwierig sein kann. Die Kinder atmen nicht absichtlich flach, trinken zu wenig, essen Dinge, die träge machen, bewegen sich zu wenig oder entscheiden sich bewusst für einen schlechten Schlaf.

Sie können Ihren Kindern helfen, ihr Verhalten zu ändern, indem Sie ihnen erklären, was passiert, wenn man die fünf Basics ignoriert. Die folgenden Punkte sind nur wenige Beispiele dafür, wie man die durch das Ignorieren der Basics entstehenden Verluste veranschaulichen kann:

Wer flach atmet, verhält sich wie ein Autofahrer, der immer nur fünf Liter tankt und deshalb den meisten Sprit auf den Wegen zur Tankstelle und zurück verbraucht.

Wer zu wenig isst und trinkt und dann auch noch in schlechter Qualität, verhält sich wie ein Sprinter, der sich freiwillig zwei Eisenkugeln an die Füße bindet, denn im Verhältnis zu seinen Mitschülern hat er Tag für Tag weniger Energie zur Verfügung, das heißt auch weniger Konzentrationsenergie.

Wenn Schüler sich zu wenig bewegen, kann man ihnen mit einem Blutdruckmessgerät leicht demonstrieren, wie dramatisch zum Beispiel drei Stunden ohne Pause am PC den Blutdruck in die Höhe treiben.

Bei Schlafmangel bringen Erklärungen meist nicht viel. Dafür kämen eher Hinweise in Betracht, mit deren Hilfe man besser schlafen kann.
Unter den folgenden Tipps finden Sie Hinweise zu allen fünf Basics.

Damit Schüler bereit sind, Konzentrationstechniken als eine Form von Selbststeuerungstechniken anzunehmen und anzuwenden, sollten sie:

  • deren Sinn einsehen
  • keine Sorge haben, dass sie sich auf ein Minusgeschäft in puncto Lust einlassen
  • unter keinen Umständen von ihren Eltern wegen ihres bisherigen Verhaltens auf die Anklagebank gesetzt werden
  • einfache Techniken vermittelt bekommen, wie sie ihr Verhalten dort ändern können, wo es ihnen schadet


Eine kleine Auswahl von Steuerungstechniken, die sich bei vielen Schülern in der Praxis bewährt haben: Die fünf Basics

Tipps, wie Schüler durch eine bewusste Lebensweise ihre Konzentration fördern können

Essen
Will ihr Kind nicht frühstücken, dann stellen Sie mit ihm ein „Kompromissfrühstück“ zusammen, das es ausreichend mag und das ihm ausreichend Nährstoffe für eine gute Konzentration zur Verfügung stellt. Bleiben Sie hartnäckig, wenn das nicht auf Anhieb klappt. Versuchen Sie, durch Beobachtung Zusammenhänge herauszufinden zwischen der Nahrung, die Ihr Kind zu sich nimmt, und seiner Konzentrationsfähigkeit.

Trinken
Sorgen Sie dafür, dass auf dem Schreibtisch Ihres Kindes immer eine Flasche Mineralwasser steht, falls es das nicht mag, zusätzlich eine Falsche von seinem Lieblingsgetränk. Lassen Sie sich eine kleine Belohnung einfallen, wenn es sich schwer damit tut, sein Trinkverhalten zu verbessern. Bringen Sie mit Geduld Ihr Kind dazu, die Flasche Mineralwasser nach einer gewissen Zeit selbst auf den Schreibtisch zu stellen.

Bewegen
Wenn Ihr Kind sich zum Beispiel wegen exzessivem Medienkonsum wenig bewegt, hat schon oft der Deal geholfen, mehr Bewegung = mehr Medienzeit, weniger Bewegung = weniger Medienzeit. Da viele Schüler nach der Schule kaum noch Lust haben, sich ausgiebig zu bewegen, brauchen sie Beweise dafür, dass Bewegung ein starkes Mittel zur Förderung der Konzentration ist. Dabei können Eltern helfen, indem sie eine Relation herstellen zwischen Bewegung und Lerneffizienz. Am besten protokollieren Sie Ihre Beobachtungen, denn die meisten Schüler bewegen sich nur, wenn sie den Selbstbelohnungseffekt spüren.

Schlafen
Wenn Ihr Kind Einschlafprobleme hat, bitten Sie es, die Gedanken stichpunktartig aufzuschreiben, die ihm abends im Bett durch den Kopf gehen. Bleiben Sie hartnäckig, wenn es sich nicht gleich beim ersten Mal darauf einlässt und bieten Sie ihm die Möglichkeit an, ein „X“ einzutragen, bei Gedanken, die es wahrgenommen hat, aber für sich behalten will. Oft ergeben sich daraus Hinweise für positive Veränderungen, die weit über das Einschlafproblem hinausgehen. Ein gesunder Schlaf fördert nicht nur die Konzentration, sondern auch das allgemeine Wohlbefinden.

Atmen
Bringen Sie Ihrem Kind die natürliche Bauchatmung bei, falls es sie noch nicht beherrscht. Wenn es Lern- oder Prüfungsblockaden hat, erklären Sie ihm den Blockadenkreislauf. Dann wird es besser verstehen, warum drei entspannte Atemzüge vor dem Einschlafen und nach dem Aufwachen bewirken, dass sich ein Atembewusstsein entwickelt. Ohne dieses Atembewusstsein würde es gar nicht mitbekommen, wenn seine Atmung stockt und dann auch nicht in der Lage sein, den Steuerhebel in Richtung einer guten Versorgung mit Sauerstoff umzulegen. Sobald ein Schüler den Zusammenhang zwischen seiner Atmung und seiner Konzentrationsfähigkeit verinnerlicht hat, wird er ein starkes Eigeninteresse daran haben, seiner Atmung mehr Aufmerksamkeit zu schenken.


Bessere Konzentration durch Leeren des Gedankenspeichers.

6. Bessere Konzentration durch smarten Umgang mit Ablenkungsimpulsen und Reizüberflutung


a. Innere Ablenkungsimpulse

Das Bestreben, Lust zu gewinnen und Unlust zu vermeiden, trifft auf Eltern und Kinder gleichermaßen zu. Was langfristig die größere Lust bringt, lehrt uns die Erfahrung. Daran mangelt es den Kindern, und viele Erwachsene vergessen irgendwann, dass sie sich selbst einmal ähnlich „unvernünftig“ verhalten haben wie ihre Kinder. Auch haben viele Eltern vergessen, wie leicht Kinder alles verdrängen können, was mit Unlust verbunden ist.

Stellt man sich eine Waage mit zwei Schalen vor und in der linken die Lust-, in der rechten die Unlust-Gewichte, dann schauen Kinder gewöhnlich nur auf die Lust-Schale, wenn sie einen starken Lustimpuls verspüren. Und genau hier liegt das Problem. Bei ihren Entscheidungen wird die damit verbundene Unlust nicht in die Waagschale geworfen und somit nicht in Rechnung gestellt. Die bloße Wahrnehmung des bis dahin verdrängten Schadens kann die Konzentration beim Lernen bereits stark fördern.

Leider hilft es auch nicht viel, wenn Eltern diesen Job für sie übernehmen. In diesem Punkt sind die meisten Schüler auf beiden Ohren taub. Wo Fremdsteuerung versagt, kann es nur die Selbststeuerung richten. Eine der besten Übungen zur Verbesserung der Selbststeuerung bei Lust-Unlust-Konflikten ist nach meinen Erfahrungen die folgende:

Übung: Selbststeuerung bei Lust-Unlust-Konflikten

Es wird eine Situation ausgewählt, in der der Schüler Ablenkungsimpulsen gefolgt ist, die ihm nach seiner eigenen Einschätzung geschadet haben. Dann lässt er unter Tiefenentspannung die Situation Revue passieren und betrachtet die Waagschalen in dem Zustand, als die Lustimpulse ihn übermannten, während die Schale mit der Unlust noch leer war.

Nun ruft er sich in Erinnerung, welcher Schaden sich im Nachhinein aus seiner Entscheidung ergeben hat und legt die entsprechenden Punkte in die Schale mit den Unlust-Gewichten. Wenn er nun beobachtet, wie sich die Unlust-Schale senkt, während die Lust-Schale sich über die Mitte hinaus nach oben bewegt, dann sieht und fühlt er, welche Entscheidung damals für ihn besser gewesen wäre. Mit Spürbewusstsein und nicht mit paradoxen Appellen können Schüler sich diese, in ihrer Bedeutung kaum zu überschätzende Fähigkeit, aneignen.

Der Schüler wird sich nach den ersten Übungen dieser Art in bestimmten Situationen immer noch genauso falsch verhalten wie vorher. Doch wenn er mit der Unterstützung durch eine vertraute Person die Übungen fortsetzt, wird es nicht lange dauern, bis er zum ersten Mal eine Korrektur nicht nur in der Nachbetrachtung, sondern in der Situation selber hinbekommt. Dann besteht berechtigte Hoffnung, dass sich seine Selbststeuerung mit jedem gelungenen Versuch weiter verbessert.

Kind, Selbststeuerung, ferngesteuertes Auto

Kinder lieben Dinge, die sie selbst steuern können.

Aus dem Blickwinkel der Lernpädagogik sollten Eltern dieses Bedürfnis eher fördern als ausbremsen, da es das für die Motivation der Kinder so wichtige Gefühl von Selbstwirksamkeit stärkt.

Jedoch sollten Eltern darauf achten, dass ihr Kind nicht einer "Fremdsteuerungssucht" verfällt, die verhindert, dass es lernt, sich selbst zu steuern.

Schüler, Selbststeuerung, Controller


b. Äußere Ablenkungsimpulse

Äußere Ablenkungsimpulse sind mit der besonderen Problematik verbunden, dass wir sie oft nicht oder nur bedingt vermeiden können. So bleibt einem Schüler nichts anderes übrig, sie nach Möglichkeit zu vermeiden und wo das nicht möglich ist, deren schädlichen Einfluss zu minimieren.
Nicht alle äußeren Ablenkungen sind störend. Manche sind uns sogar sehr willkommen, weil sie uns Abwechslung bei einer mit Unlust verbundenen Tätigkeit bieten. Besonders problematisch sind störende äußere Ablenkungen, die durch Geräusche verursacht werden und die ich hier exemplarisch beschreibe. Vieles davon ist übertragbar auf Ablenkungen durch andere Sinne, wie etwa die visuelle Wahrnehmung.

Bevor man Störgeräusche von innen zu bekämpfen versucht, sollte man alle Mittel ausschöpfen, die äußere Störquelle zu beseitigen oder in ihrer Wirkung einzuschränken. Bei einem hohen Geräuschpegel während des Unterrichts empfehle ich, zunächst die betroffenen Lehrer zu kontaktieren, um gemeinsam nach einer Lösung für das Problem zu suchen. Sollte der Lärmpegel nicht gesenkt werden können, käme der Wechsel auf einen Platz in der ersten Reihe in Betracht. Wenn es auch bei Klassenarbeiten laut ist, können manchmal Ohrstöpsel helfen.

Für den Fall, dass die Lehrer nicht kooperativ sind, wäre es sinnvoll, von dem betroffenen Schüler ein Lärmprotokoll erstellen zu lassen. Er trägt dann während des Unterrichts in eine vorbereitete einfache Grafik alle paar Minuten einen Wert zwischen null und zehn ein. Ergänzend könnte man ein solches Protokoll auch während einer Stunde erstellen, in der es leise in der Klasse ist. Das stärkt Ihre Position als Eltern, falls man sich gegenüber dem Problem von schulischer Seite uneinsichtig zeigen sollte.

Wie Schüler durch Lärm verursachte Konzentrationsstörungen über die Atmung verringern können

Ein solches einfaches Lärmprotokoll kann auch bei den Hausaufgaben helfen, die am meisten störenden Geräuschquellen ausfindig zu machen, um sie wenigstens eindämmen zu können, sofern sie nicht ausgeschaltet werden können. Die Lärm-Karenz-Methode ist deshalb so wichtig, weil Kinder, die besonders geräuschempfindlich sind, kaum Möglichkeiten haben, von sich aus etwas gegen einen akustischen Überfall zu unternehmen, der ihr inneres Territorium feindlich besetzt. Das Vermeiden oder Vermindern von Störeffekten ist manchmal das beste Mittel, um die Konzentration beim Lernen zu fördern.

Es gibt dennoch Möglichkeiten, sich von innen gegen den mit den Geräuschen verbundenen Konzentrationsverlust zu wehren. Die nach meiner Einschätzung wirksamste Methode ist die Einschaltung des wichtigsten Steuerungsinstruments, mit dem wir Einfluss haben auf alle physischen, mentalen und emotionalen Prozesse: die Atmung. Besonders die sensiblen Schüler werden durch Störgeräusche ohnmächtig, im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie können sich weder dagegen wehren, noch der Situation entziehen.

In solchen Momenten ist es hilfreich, wenn sie etwas tun, was sie eh immer tun, mit dem einzigen Unterschied, dass sie es nun willkürlich tun. Indem sie ihre Aufmerksamkeit auf die Atmung lenken, bewusst tief und entspannt ein- und ausatmen, schwächen sie die Macht der akustischen Invasoren. Während sie sich zuvor noch im störenden Draußen verloren hatten, sind sie nun wieder mehr bei sich. Ihr Bewusstsein ist nach innen zentriert und ihr Geist kann sich nun wieder besser konzentrieren.

Diese Zentrierung ermöglicht dann eine Neuausrichtung der Aufmerksamkeit auf ein anderes Draußen, während des Unterrichts, zum Beispiel auf den Sendemast des Lehrers und bei Klassenarbeiten auf die zu lösenden Aufgaben. Wenn Sie Ihrem Kind diesen Tipp mit auf den Weg geben möchten, bedenken Sie bitte, dass ein gewisses Maß von dem in Punkt 6 angesprochenen Atembewusstsein erforderlich ist, um die Technik in den entsprechenden Situationen anwenden zu können.

c. Reizüberflutung

Die meisten Schüler sind leidenschaftliche Entdecker. Wenn sie einen unbekannten Raum betreten, in dem es viele interessante Details zu beobachten gibt, dann empfinden sie ein starkes Bedürfnis, diesen Raum mit ihren Augen zu scannen. Versucht man in solchen Momenten, ihre Aufmerksamkeit auf schwierige Aufgaben zu lenken, die eine hohe Konzentration erfordern, dann fällt es ihnen schwer, sich von den Objekten abzuwenden, auf die ihre natürliche Aufmerksamkeit sich ausgerichtet hat.

Solche Situationen beobachte ich immer wieder, wenn Schüler mich zum ersten Mal in meiner Praxis aufsuchen. Um ihnen diesen Aufmerksamkeitskonflikt zu ersparen, biete ich ihnen zu Beginn des Treffens leichte mentale Kost an, die ihnen das gleichzeitige Sprechen oder Zuhören und das Scannen des Raums ermöglicht.

Später lernen die Schüler – wie unter anderem in Punkt 1 beschrieben – ihre Gedanken und Wahrnehmungen zu beobachten, was ihnen überhaupt erst ermöglicht, einen solchen Aufmerksamkeitskonflikt zu bemerken. Um ihn schließlich aufzulösen, könnte im Prinzip die von mir unter 6.a beschriebene Waagschalen-Methode helfen. Doch in diesem Beispiel wäre sie ungeeignet, da sie voraussetzen würde, dass man sich für eine Weile aus der Kommunikation ausklinken könnte, um in Ruhe eine komplexe Lust-Unlust-Abwägung vorzunehmen. Für Situationen wie diese gibt es bessere Methoden zur Konzentrationsförderung, von denen ich eine kurz vorstelle:

Konzentrationsübung zur Auflösung von Aufmerksamkeitskonflikten

Sobald der Schüler den Aufmerksamkeitskonflikt registriert hat, stellt er sich zwei Sprechblasen vor, wie man sie aus Comics kennt. In diesen Blasen platziert er einen kurzen Text und/oder ein Bild. Auf den beschriebenen Konflikt bezogen schreibt er in die erste Blase „Raum entdecken“ und die zweite „Gespräch“ oder „Übung“. Alternativ kann er sich auch in der ersten Blase den Raum als Bild vorstellen und in der zweiten die am Gespräch bzw. der Übung beteiligten Personen.

Dieser einfache Trick kann den Schülern dabei helfen, ihre Aufmerksamkeit besser zu steuern. Während sie im Fluss des Geschehens schnell den Überblick und die Kontrolle verlieren, bieten die beiden Standbilder mit Text oder Bildinhalt jederzeit die Möglichkeit, zwischen beiden hin und her zu switchen, eins von beiden auszublenden oder – falls sie das können – Multitasking zu betreiben.

Diese auf den ersten Blick einfach erscheinende Methode erweist sich in der Praxis oft als schwierig und sollte deshalb in banalen Alltagssituationen eingeübt werden, bevor sie in komplexen und kritischen Momenten zum Einsatz kommt.


7. Multitasking vermeiden, sofern man kein Konzentrationskünstler ist

Der beste Umgang mit Multitasking besteht nach meiner Einschätzung darin, es überall zu vermeiden, wo das möglich ist. Da es jedoch Situationen im Alltag gibt, in denen man gezwungen wird, zwei oder mehrere Tätigkeiten gleichzeitig zu verrichten, die jeweils höchste Konzentration erfordern, brauchen die Schüler Tipps, die ihnen das Multitasking erleichtern. Zunächst möchte ich ein Beispiel beschreiben, bei dem es sich um unsinniges Multitasking handelt.

Den klassischen Fall eines misslingenden Multitasking erleben viele Eltern, wenn sie ihre Kinder bei den Hausaufgaben begleiten oder beobachten. Manchen Schülern gelingt es, sich nachmittags stundenlang mit schulischem Lernen zu beschäftigen, das sie mit konzentriertem Arbeiten in weniger als einer Stunde hätten erledigen können.

Dabei versuchen sie zwei Dinge gleichzeitig zu tun: ihre Hausaufgaben zu erledigen und alles Mögliche zu unternehmen, um sich selbst daran zu hindern. Die tausend Wege, die sie finden, um ihre Lernzeiten mit inneren Abschweifungen und äußeren Handlungen künstlich in die Länge zu ziehen, sind hinlänglich bekannt. Viele Schüler verbringen kostbare Lebenszeit im Niemandsland zwischen konzentriertem Lernen und lustvoller Freizeit, in der sie machen können, was sie wollen.

Den ersten Schritt, um eine solche Zeitvergeudung zu vermeiden, habe ich bereits unter Punkt 1 beschrieben. Über eine gute Selbstwahrnehmung können sie rechtzeitig bemerken, wenn eine Multitasking-Situation auf sie zukommt oder sie sich bereits darin befinden.

Der zweite Schritt ist in dem Augenblick getan, in dem der Schüler einsieht, dass er sich mit der langen Zeit, die er im Niemandsland verbringt, vor allem selber schadet.

Der dritte Schritt ist ebenfalls einfach, erfordert jedoch viel Geduld bei der Umstellung des nachmittäglichen Lernens einerseits und freien Genießens andererseits von Multitasking auf Unitasking. Man darf nicht erwarten, dass sich das Problem durch die neue Erkenntnis von selbst erledigt. Die meisten Schüler brauchen Monate, bis sie ihre Zeit im Niemandsland auch nur halbieren können und weitere Monate, bis sie bei zwanzig Prozent liegt. Weniger sollte es nicht sein, weil ein gewisses Maß an Ablenkungen dabei hilft, sich über einen längeren Zeitraum konzentrieren zu können.

Wichtig ist, dass die Eltern bei der Umstellung mitspielen. Manche machen den Fehler, dass sie bei ihren Kindern mehr auf die Zeit schauen, die sie weiterhin im Niemandsland verbringen, als auf die Fortschritte, die sie machen, seien diese auch noch so klein. Es erweist sich als fatal, wenn die Eltern trotz einer höheren Lerneffizienz von ihren Kindern erwarten, dass sie genauso lange lernen sollen wie vorher, „weil es ja noch so viele Defizite aufzuarbeiten gibt“ usw.

Je stärker ein Schüler fühlen und empfinden kann, desto zahlreicher und intensiver sind die Ablenkungsimpulse, die in seinem Innern um Aufmerksamkeit ringen. Dann fällt es bereits schwer genug, sich auch nur auf eine einzige Aufgabe zu konzentrieren und Multitasking multipliziert die Überforderung noch zusätzlich. Besonders sensible Schüler neigen oft zum Multitasking, obwohl es das Konzentrieren eher verhindert als fördert. Falls Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind besonders anfällig für Ablenkungsimpulse ist, könnten die Informationen und Tipps auf der Unterseite Hochsensibilität Schüler für Sie   hilfreich sein.

8. Nichts fördert die Konzentration mehr als eine starke Eigenmotivation

Die geringe Freude, die mit dem schulischen Lernen oft einhergeht, ist auch darauf zurückzuführen, dass Schüler den Sinn bestimmter Aufgaben nicht einsehen können. Im Prinzip liegen sie damit oft richtig, weil sie vieles, was sie in der Schule lernen, später getrost vergessen können.

Was sollten sie nun tun, wenn sie einerseits den Sinn der Schule infrage stellen und andererseits per Gesetz zum Schulbesuch verpflichtet sind? Meine Antwort lautet: da, wo es möglich ist, selber Sinn finden, und da, wo es nicht möglich ist, sich mit der Sinnlosigkeit abfinden und sich über die kleinen Vorteile freuen, die es mit sich bringt, wenn man gute Schulnoten bekommt. 

Zu den stärksten Triebkräften der Motivation zählt neben der Freude an der Arbeit die Belohnung, die man für seinen Aufwand erhält. Die meisten Schüler fühlen sich durch die Schule jedoch eher bestraft als belohnt, womit sie ebenfalls richtig liegen, sofern man nur auf die kurzfristigen Wirkungen schaut. Um so erstaunlicher ist es, dass viele Schüler trotz mangelndem Interesse an dem, was sie dort lernen, gern zur Schule gehen.

Es muss also etwas geben, weshalb sie sich freiwillig in die vermeintliche Hölle begeben. Schüler, die ich darauf angesprochen habe, nannten am häufigsten „Freunde treffen“ sowie einzelne Fächer oder Themen, die sie interessieren. Wenn ich dann nachfrage, ob man dort nicht auch lernt, Dinge zu tun, wozu man keine Lust hat, höre ich oft ein verdutzt klingendes spontanes „Ja!“.

Eine Diskussion über dieses Thema läuft in der Regel auf folgendes Fazit hinaus: Man sollte so viel Freude am Lernen haben wie möglich, und die unvermeidlichen Dinge, die mit Unlust verbunden sind, mit möglichst geringem Aufwand erledigen.

Das hört sich einfach an, scheitert aber gewöhnlich daran, dass man sich nicht einreden kann, Lust auf etwas zu haben, was man im Grunde hasst. Deshalb muss man das Pferd von hinten aufzäumen, indem man möglichst alle Hindernisse aus dem Weg räumt, die die Motivation ausbremsen. Der Hindernisparcours sieht bei jedem Schüler anders aus, doch es gibt Motivationshemmer, die besonders stark und häufig sind.

Wenn Schüler sich für eine Sache interessieren, die Beschäftigung damit ihnen Freude bereitet, dann brauchen sie keine Motivation von außen. Sofern ihnen das schulische Lernen zuwider ist und ihre Eltern versuchen, sie von außen zu motivieren, machen diese irgendwann die bittere Erfahrung, dass man sich nur Ärger einhandelt beim Versuch, ein Pferd zu tränken, dass keinen Durst hat. Es gibt dazu eine Alternative, die ebenfalls anstrengend sein kann, die sich jedoch für Eltern und Schüler gleichermaßen lohnt, weil sie die Konzentration beim Lernen fördert statt behindert.

Vier-Minuten-Clip:  Wie Lernen am besten gelingt 

Prof. Dr. Gerald Hüther über Begeisterung und Lernfreude bei Kindern


"Tua res agitur."
Es geht um deine Sache! Dieser Spruch aus den Epistulae des römischen Schriftstellers Horaz beinhaltet den vielleicht stärksten Motivationsimpuls, der je in so prägnanter Form zum Ausdruck gebracht wurde. Wenn ich klar erkennen kann, dass es um meine Sache geht, dann brauche ich keine zusätzliche Belohnung von außen. Dann ist das, was ich tue, die Belohnung selbst.

Unter Punkt 6. a-b habe ich versucht, den springenden Punkt bezüglich der Motivation an einem Waagschalen-Modell zu verdeutlichen. Schüler mit einer besonders schwachen Motivation beim Lernen sind in der Regel exzellente Verdränger. Sie ignorieren die Nachteile, die mit dem Nichterbringen von Anpassungsleistungen verbunden sind, wie zum Beispiel schlechte Noten, Sanktionen usw. Gleichzeitig geringschätzen sie die Vorteile, die ein konzentriertes Lernen mit sich bringt, wie zum Beispiel das Beherrschen von Fremdsprachen, die sowohl bei privaten Aufenthalten im Ausland als auch im Beruf nützlich sein können.

Mithilfe der Methoden zur Selbstbeobachtung, die ich u.a. auf der Seite Hausaufgaben ... Kap. V. und VI. beschrieben habe, können die Schüler die Gewichte in den Waagschalen Lust und Unlust realistischer einschätzen und so in vielen alltäglichen Situationen rund um das Thema Lernen zu einer Neubewertung kommen. Die realistische Einschätzung der Lust-Unlust-Relation unter Einbeziehung der gegenwärtigen und zukünftigen Lusteinheiten fördert das konzentrierte Lernen und ist nach meinen Erfahrungen der wichtigste Einzelfaktor, der darüber entscheidet, wie motiviert ein Schüler nicht nur in der Schule, sondern auch in anderen Lebensbereichen ist.

9. Wie eine effiziente Lernorganisation das Konzentrieren beim Lernen fördert

Wer die Fehler vermeidet, die der - auf der Seite "Was stört die Konzentration?" - unter dem Stichwort „Ineffiziente Lernorganisation“ beschriebene Schüler täglich begeht, macht in puncto guter Lernorganisation bereits vieles richtig. Er kann es noch besser machen, wenn er die folgenden Organisationshilfen nutzt:

      • Drei Fächer werden ausgewählt, für die eine Verbesserung der Lernorganisation besonders wichtig wäre und jeweils eine Liste angefertigt mit den wichtigsten aktuellen Aufgaben, die in dem Fach erledigt werden müssen. Beim ersten Mal ist der Aufwand dafür enorm. Aktualisiert man diese Liste später etwa alle vier Wochen, fällt nur noch ein Bruchteil der Arbeit an. Besonders bei jüngeren Schülern sollten die Eltern bei der Erstellung der Liste behilflich sein. Erledigte Aufgaben sollten immer sofort abgehakt werden. Das gilt auch für die nächsten Punkte.

      • Bevor mit den Hausaufgaben oder der Vorbereitung auf eine Prüfung begonnen wird, werden die Tagesaufgaben auf einem Blatt vollständig aufgelistet und sortiert nach geschätztem Zeitaufwand. Begonnen wird mit den Aufgaben, die sich am schnellsten erledigen lassen.

Für eine effiziente Lernorganisation ist ein übersichtlicher Schreibtisch Gold wert. Besonders die Schüler, die leicht empfänglich sind für innere und äußere Ablenkungen, brauchen einen Schreibtisch, der auf die Funktionen reduziert ist, die für das häusliche Lernen benötigt werden.

Im Idealfall sollte sich das Handy oder Smartphone nicht in dem Raum befinden, in dem der Schüler seine Hausaufgaben erledigt oder sich auf Klassenarbeiten vorbereitet. Auch andere verführerische "Lustquellen" sollten vom Schreibtisch aus nicht binnen weniger Sekunden verfügbar sein.

Falls eine solche Trennung von Arbeitsplatz und Spielplatz aus räumlichen Gründen nicht möglich ist, kann auch ein kleiner Schreibtisch ausreichen, der an einem möglichst ruhigen Ort irgendwo in der Wohnung platziert ist. Dann spricht nichts dagegen, wenn das Kinderzimmer die reinste Lustburg ist, denn kaum etwas fördert die Konzentration beim Lernen mehr als Lust.

Schüler an einem aufgeräumten Schreibtisch

 

      • Falls die Arbeit mal unterbrochen wird, bleiben alle Materialien griffbereit auf dem Schreibtisch liegen.

      • Sollte die Konzentration bei der Arbeit stark nachlassen, ist eine kurze Pause angesagt, in der nichts geschehen sollte, was mental anstrengend ist oder bei dem es schwer ist, wieder aus der Tätigkeit auszusteigen wie etwa bei Videospielen oder Fernsehen. Besonders gut eignen sich entspanntes Liegen oder körperliche Betätigung. Es gilt jedoch: Alles ist gut, was innerhalb kurzer Zeit die Fortsetzung des konzentrierten Lernens fördert.

      • Nachdem das, was auf der Tagesliste stand, abgehakt ist, sollte es keine Diskussionen über die Qualität der Arbeit geben. Solche Gespräche bringen nichts in einer aufgeheizten Atmosphäre, sondern erst dann, wenn sich die Gemüter wieder beruhigt haben.

      • In der ersten Phase nach der Umstellung der schulischen Organisation schauen die Eltern – sobald ihr Kind für den Tag Redaktionsschluss verkündet hat – oft mehr auf das, was nicht oder nicht gut genug erledigt wurde. Auf diese Weise können sie die Verbesserung der schulischen Organisation gründlich und dauerhaft verhindern. Es ist wichtig, dass nach Erledigung der täglichen To-do-Liste "die Freizeitglocke klingt". Danach sollten Schüler und Eltern möglichst keinen Gedanken mehr an das Thema „Schule“ verschwenden.



Schüler-in plant Lernorganisation

Wie könnte ich mein Lernen besser organisieren?

Schüler-in verzweifelt an Selbstorganisation




Mist, das kriege ich einfach nicht hin!



schüler lernorganisation 3
Gut, dass ich nicht so schnell aufgegeben habe!

Fast jeder Schüler hat - oft auf wiederholten Druck der Eltern - schon einmal versucht, sein Lernen besser zu organisieren. Die meisten geben diesen Baustein eines ebenso entspannten wie erfolgreichen Lernens jedoch irgendwann frustriert auf. Als Kinder lieben sie das Spontane und hassen das Planen, insbesondere wenn es mit einem großen Aufwand verbunden ist und nicht so leicht von der Hand geht, wie sie es sich vorgestellt hatten. Deshalb brauchen vor allem jüngere Schüler bei dieser Aufgabe am Anfang die geduldige Unterstützung durch ihre Eltern oder einen Lerncoach.


10. Ein gutes Lernklima fördert die Konzentration beim Lernen

Erster Schritt – Störfaktorenanalyse

Eltern und Schüler listen je für sich die Punkte auf, von denen sie glauben, dass sie das häusliche Lernen negativ beeinflussen. Anschließend bewerten sie die Störfaktoren nach ihrer Stärke auf einer Skala von eins bis zehn, wobei eins eine sehr geringe und zehn eine extrem starke Störung bedeutet.

Oft sind den Schülern die Störfaktoren nicht bewusst, oder sie tun sich schwer damit, ihre Bedeutung einzuschätzen. In diesem Fall empfehle ich eine einfache Übung:

Der Schüler liegt entspannt auf dem Rücken. Er gibt als Suchbegriff in seine innere Suchmaschine ein: „Was stört mich zu Hause beim Lernen?“ Wenn sich spontan keine passenden Suchergebnisse zeigen, sollte er einen der letzten Nachmittage vor seinem geistigen Auge Revue passieren lassen und dazu Stichpunkte geben, welche die Person aufschreibt, die ihn bei der Übung begleitet. Falls die Nerven von Eltern und Kind beim häuslichen Lernen blank liegen, sollte die Begleitperson jemand sein, dem ihr Kind sich bereitwillig anvertraut. Für den Fall, dass beim ersten Durchgang keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielt wurden, sollte die Übung an einem anderen Tag in entspannter Atmosphäre wiederholt werden.

Zweiter Schritt – Erstellung einer gemeinsamen Prioritätenliste

Eltern und Schüler erstellen jeweils eine Prioritätenliste, die sich daran orientiert, wie wichtig ihnen die jeweiligen Veränderungen sind und wie leicht bzw. schwer sie sich voraussichtlich umsetzen lassen. Aus den beiden Listen wird dann eine gemacht, indem abwechselnd ein Schüler und ein Elternwunsch eingetragen werden. Auf Platz eins der gemeinsamen Liste kommt der wichtigste Punkt der Schülerliste, auf Platz zwei der wichtigste der Elternliste und danach geht es abwechselnd so weiter. Nun können Sie die Liste dazu verwenden, um die Punkte abzuarbeiten, die sowohl geeignet sind, das Familienklima zu verbessern als auch die Konzentration Ihres Kindes beim Lernen zu fördern.

Dritter Schritt – Was mich beim gemeinsamen Lernen an dir nervt!

Manchmal tauchen bereits bei der Störfaktorenanalyse einzelne Punkte auf, die sich auf die Kommunikation von Eltern und Kind beim gemeinsamen Lernen beziehen. Da dieser Faktor für die Lernlust und Lerneffizienz des Schülers von besonderer Bedeutung ist, sollten sie ihn in einer separaten Übung vertiefen:

Übung zur Verbesserung des Lernklimas zwischen Eltern und Schülern

Sie und Ihr Kind liegen entspannt nebeneinander auf dem Rücken – mit geschlossenen oder nach oben schauenden Augen. Als Thema wird die Frage vorgegeben: „Was mich beim gemeinsamen Lernen an dir nervt!“ Innerhalb von fünf bis zehn Minuten kann jeder spontan sagen, was ihm dazu einfällt. Der andere sollte auf den Beitrag nicht reagieren, auch nicht mit einsilbigen Kommentaren. Beide können sich jedoch auf vorbereiteten Klemmbrettern kurze Notizen machen. Wen das aus dem Fluss bringt, kann die Notizen auch unmittelbar nach der Übung anfertigen.

Bei dieser Übung kann es vorkommen, dass die Emotionen hochkochen und statt sachlicher Informationen Vorwürfe ausgetauscht werden. Bis zu einem gewissen Punkt ist das für eine Klärung durchaus hilfreich. Falls die Situation jedoch für einen der Beteiligten unerträglich wird, sollte die Übung abgebrochen und zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden.

Selten läuft diese Übung so harmonisch ab, dass sich vor allem beim Kind keine Widerstände regen. Doch wenn es mit viel Geduld gelingt, das Arbeitsklima beim gemeinsamen häuslichen Lernen nachhaltig zu verbessern, hat sich die Mühe gelohnt. Entsprechendes gilt für das Lernklima im Klassenraum. In abgewandelter Form lassen sich mit der beschriebenen Methode der Innenbetrachtung auch die dortigen Störfaktoren aufstöbern und entschärfen.

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Delphine sind auf eine natürliche Weise konzentriert.
Die meisten Kinder lieben sie und können in puncto
Motivation und Konzentration viel von ihnen lernen.

Schüler können das Konzentrieren von Delphinen lernen














Erscanne dich selbst!

In den letzten 20 Jahren lag der Schwerpunkt meiner Arbeit auf der Entwicklung eines Systems der Selbstbeobachtung, welches es Schülern ermöglicht, ihren momentanen mentalen, emotionalen und physischen Zustand zu "scannen" und die Ergebnisse für ein zielgerichtetes Handeln zu nutzen.

Die Schüler können lernen, sie sich diese Zustände auf inneren Monitoren anzuschauen, um bei Bedarf in die Prozesse steuernd eingreifen zu können.

Diese Technik hat sich auch für Schüler bewährt, die professionell Sport betreiben.  Eine verbesserte Konzentrationsfähigkeit scheint sich auf andere Bereiche zu übertragen, wenn  in einem spezifischen Fachbereich dafür eine solide Basis geschaffen wurde.

Ob Sie diese Website als Eltern oder Schüler lesen: Ich wünsche allen Lesern, dass sie von den nicht immer leicht zugänglichen Informationen profitieren können, wofür auch immer Sie sie nutzen wollen!


 Falls Sie in einzelnen Punkten professionelle Hilfe wünschen, finden Sie unter Lernpraxis Köln alle wichtigen Infos zu organisatorischen Fragen.